Einheit 6 — Umwelt und Mobilität

GER-Stufe B1 · Goethe-Zertifikat B1 · Modul Hören

Author

S. Le Boulanger

Note

Modell: Einstieg → Input → Üben → Anwenden → Reflexion · GER-Stufe: B1

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Lernziele

  • kann ich einer Podiumsdiskussion folgen und die Positionen den Sprecher:innen zuordnen.
  • kann ich zum Thema „Mobilität in der Stadt” eine eigene Haltung formulieren und kurz begründen.
  • kann ich Gegenargumente höflich annehmen.

GER-Ausrichtung

  • Goethe-Modul Hören — Teil 3 (Gespräche zwischen Muttersprachlern; Wer sagt was?).
  • Anschluss: B1-Sprechen-Teil 3 (Feedback & situationsadäquate Reaktion).

Einstiegsgeschichte

Eine Podiumsdiskussion im Kulturzentrum Sarajevo, organisiert vom Österreichischen Kulturforum. Thema: „Autofrei? Wie geht das in einer Stadt, in der der Bus drei Mal am Tag fährt?“ Drei Gäste: Kjell Baumann (NGO-Mitarbeiter, Köln), Amina Mišić (Verkehrsplanerin, Sarajevo), Herr Stefan Tanner (Rentner, Salzburg). Moderation: Nihad Kovač.

1. Einstieg

  • Wie kommen Sie typischerweise in die Stadtmitte — Auto, Rad, Öffis, zu Fuß? Was sagt das über Ihre Stadt aus?
  • Welche Argumente hören Sie häufig für / gegen autofreie Zonen?
  • „Mobilität ist Freiheit.” Stimmen Sie zu?

2. Input

A. Diskussionsausschnitt (Transkript)

Nihad (Moderator): Frau Mišić, Sarajevo hat noch keine autofreie Innenstadt. Wäre das überhaupt umsetzbar?

Amina Mišić: Technisch ja, politisch kompliziert. Wir haben in den letzten Jahren in bestimmten Stadtteilen die Fußgängerzonen erweitert. Das Entscheidende ist: bevor man Autos rausnimmt, muss der öffentliche Verkehr funktionieren. Sonst ist der Frust riesig.

Kjell Baumann: Genau dieses Argument höre ich in Köln auch. Wir sagen dann: Wir fangen mit einem Viertel an, dann noch einem. In Köln gibt es jetzt fünf „verkehrsberuhigte Quartiere”. Nach sechs Monaten sind die Anwohner begeistert — weil die Kinder wieder draußen spielen können.

Herr Tanner: Das hört sich schön an, aber für uns Ältere ist das Auto oft die einzige Möglichkeit, zum Arzt, zum Einkauf, zur Familie zu kommen. In Salzburg ist die Bushaltestelle für mich 800 Meter weg, bergauf. Wer denkt an uns?

Kjell Baumann: Das ist ein wichtiger Punkt. Ich glaube nicht an die komplett autofreie Stadt. Ich glaube an die fast autofreie Stadt, in der Ausnahmen für Lieferverkehr, Rettungsdienst und Menschen mit eingeschränkter Mobilität klar geregelt sind.

Amina Mišić: Und nicht zu vergessen: 30 Prozent der Autofahrten in Sarajevo sind kürzer als zwei Kilometer. Da könnten viele auch aufs Rad umsteigen. Aber dafür brauchen wir Radwege, die sicher sind.

Herr Tanner: Das stimmt. Ich selber würde wieder Rad fahren, wenn ich mich traute.

B. Wortschatz

Wort Erklärung
verkehrsberuhigt (adj.) Straßen, in denen der Autoverkehr stark reduziert ist
Anwohner:in, der/die Person, die in der Nähe wohnt
Lieferverkehr, der Fahrten zum Liefern von Waren
eingeschränkte Mobilität Bewegungseinschränkung (Alter, Behinderung)
umsetzbar (adj.) realisierbar, machbar

3. Üben

Aufgabe 1 — Zuordnung (B1-Hören Teil 3). Ordnen Sie die Aussage der Person zu: N = Nihad · A = Amina · K = Kjell · T = Tanner

  1. „Ohne guten öffentlichen Verkehr funktioniert es nicht.”
  2. „Für ältere Menschen ist das Auto oft die einzige Option.”
  3. „Wir fangen mit einem Viertel an, dann noch einem.”
  4. „Dreißig Prozent der Fahrten sind unter zwei Kilometer.”
  5. „Ausnahmen für Lieferverkehr müssen klar geregelt sein.”
  6. „Mit dem Rad wäre ich wieder unterwegs, wenn die Wege sicher wären.”

Aufgabe 2 — Argumente sortieren. Ordnen Sie pro autofrei oder contra autofrei zu:

  • Kinder können wieder draußen spielen.
  • Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität schwieriger.
  • Viele kurze Autofahrten könnten durchs Rad ersetzt werden.
  • Die Bushaltestelle ist weit weg, besonders bergauf.

Aufgabe 1. 1 = A · 2 = T · 3 = K · 4 = A · 5 = K · 6 = T.

Aufgabe 2.

  • Pro: Kinder draußen spielen; kurze Fahrten durchs Rad ersetzbar.
  • Contra: Schwierig für Menschen mit eingeschränkter Mobilität; Bushaltestelle weit weg / bergauf.

4. Anwenden

Kurzreferat in 90 Sekunden:

Wählen Sie eine Position und halten Sie eine 90-Sekunden- Stellungnahme vor der Gruppe:

  • „Meine Stadt sollte ein autofreies Viertel haben.”
  • „Meine Stadt braucht kein autofreies Viertel.”

Baukasten (B1):

  • Ich bin der Meinung, dass …
  • Ein wichtiger Grund dafür ist …
  • Man muss aber auch bedenken, dass …
  • Trotzdem halte ich … für …

Direkt nach dem Referat: eine:r aus der Gruppe gibt ein Feedback und stellt eine Frage.

5. Reflexion

Prüfungsbeispiel — Goethe B1 Hören, Teil 3

Aufgabenstellung: Sie hören (eine Woche später wieder) den Ausschnitt aus der Diskussion. Entscheiden Sie zu sechs Aussagen, ob sie richtig oder falsch sind. Sie hören den Text einmal.

  1. Amina Mišić meint, eine autofreie Innenstadt in Sarajevo ist technisch unmöglich.
  2. Kjell Baumann argumentiert, in Köln beginne man viertelweise.
  3. Herr Tanner ist grundsätzlich gegen alle Einschränkungen für das Auto.
  4. Die Anwohner:innen in Köln seien nach sechs Monaten begeistert.
  5. Dreißig Prozent der Autofahrten in Sarajevo dauern unter zwei Minuten.
  6. Herr Tanner würde unter sicheren Bedingungen wieder Rad fahren.
  1. Falsch („technisch ja, politisch kompliziert”).
  2. Richtig.
  3. Falsch (Tanner argumentiert kontextuell, nicht absolut gegen).
  4. Richtig.
  5. Falsch („kürzer als zwei Kilometer”, nicht Minuten).
  6. Richtig („wenn ich mich traute”).

Downloads

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Zeit: Einstieg 8’ · Input 15’ · Üben 15’ · Anwenden 15’ · Reflexion 3’ · Prüfungsvorschau 29’.

Häufige Stolperfallen

  • „Anwohner” vs. „Einwohner”: Anwohner = an einer Straße wohnen; Einwohner = Bewohner einer Stadt.
  • „unter” + Dativ für Zeitangaben („unter zwei Minuten”) vs. „unter” + Dativ für räumliche Beziehungen — in der Hörung oft verwechselt.

Weiterführende Materialien