Einheit 9 — Fachsprachen: Wirtschaft, Medizin, Recht im Vergleich
Modell: Einstieg → Input → Üben → Anwenden → Reflexion · GER-Stufe: C1
Lernziele Link zu Überschrift
- Ich unterscheide Fachregister (Wirtschaft / Medizin / Recht).
- Ich vermittle einen Fachsatz in Alltagssprache.
- Ich erkenne typische Stilmerkmale (Nominalstil, Passiv, Modalverben).
GER-Ausrichtung Link zu Überschrift
Prüfungsmodul Lesen — Teil 4 (Zuordnung von Aussagen zu populär-/wissenschaftlichen Beiträgen).
Einstiegsgeschichte Link zu Überschrift
Eine Lehrkraft an der WU Wien mischt drei Studiengänge in einen Sprachkurs Deutsch für Berufszwecke. Drei kurze Texte landen auf den Tischen: einer aus dem Wirtschaftsrecht, einer aus dem Krankenhausalltag, einer aus einem Anlageprospekt. Wer welchen Text bekommt, ist Zufall. Aufgabe: erkennen, woher der Text stammt.
1. Einstieg Link zu Überschrift
- Welche Fachsprache liegt Ihrer Muttersprache am nächsten?
- Wo finden Sie Nominalstil im Alltag?
- Wie würden Sie „Die Haftung wird ausgeschlossen“ in Alltagssprache übersetzen?
2. Input Link zu Überschrift
A. Drei Fachtextauszüge Link zu Überschrift
Wirtschaft (Anlageprospekt): „Erträge unterliegen Marktrisiken; eine Garantie auf Kapitalerhalt besteht nicht. Die historische Performance ist kein Indikator für zukünftige Erträge. Vor dem Erwerb wird das beigefügte Verkaufsprospekt empfohlen.“
Medizin (Arztbrief): „Die Patientin wurde am 14.04. stationär aufgenommen. Verdachtsdiagnose: Pneumonie. Entzündungsparameter erhöht (CRP 89 mg/l). Antibiotische Therapie i. v. eingeleitet. Bei klinischer Besserung Übergang auf orale Medikation vorgesehen.“
Recht (AGB): „Die Haftung des Anbieters ist auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränkt. Die Haftung für leichte Fahrlässigkeit besteht nur bei Verletzung wesentlicher Vertragspflichten (Kardinalpflichten).“
B. Stil-Merkmale je Fachsprache Link zu Überschrift
| Merkmal | Wirtschaft | Medizin | Recht |
|---|---|---|---|
| Nominalstil | hoch | mittel | sehr hoch |
| Passiv | mittel | hoch | mittel |
| Fachvokabular | Englischanteile | Latein/Griechisch | Termini Technici |
| Modalverben | „kann / soll“ | „indiziert / vorgesehen“ | „ist verpflichtet“ |
| Zielfunktion | Risikohinweis | Dokumentation | Verbindlichkeit |
C. Sprachmittlungs-Strategien Link zu Überschrift
- Passiv → Aktiv mit konkretem Subjekt.
- Nominalstil → Verbalisierung.
- Termini Technici → Alltagsbild.
3. Üben Link zu Überschrift
Aufgabe 1 — Zuordnen. Welcher Fachtext (W / M / R) ist das?
- „Verdachtsdiagnose: Pneumonie.“
- „Haftung beschränkt auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit.“
- „Erträge unterliegen Marktrisiken.“
- „Antibiotische Therapie i. v. eingeleitet.“
Aufgabe 2 — Sprachmittlung. Übersetzen Sie für eine Person ohne Fachvorwissen:
- „Die Haftung wird ausgeschlossen, soweit gesetzlich zulässig.“
- „Eine Garantie auf Kapitalerhalt besteht nicht.“
- „Bei klinischer Besserung Übergang auf orale Medikation vorgesehen.“
Aufgabe 3 — Strategie. Welche Strategien wenden Sie pro Satz in Aufgabe 2 an?
Lösungen
Aufgabe 1. 1) M · 2) R · 3) W · 4) M.
Aufgabe 2. Muster:
- Wir haften nicht — außer das Gesetz verbietet uns das.
- Es kann sein, dass du am Ende weniger zurückbekommst als du eingezahlt hast.
- Wenn es dir besser geht, geben wir dir die Tabletten zum Schlucken statt einer Spritze.
Aufgabe 3. 1) Passiv → Aktiv + Subjekt; Verbalisierung. 2) Termini → Alltagsbild. 3) Verbalisierung + konkrete Bilder (Tabletten / Spritze).
4. Anwenden Link zu Überschrift
Sprachmittlungs-Aufgabe (C1, ca. 5 Min): Wählen Sie einen der drei Texte aus A. Erklären Sie ihn mündlich einer fiktiven Person, die das Gegenfach studiert hat (z. B.: Medizinerin hört Recht, Juristin hört Medizin).
5. Reflexion Link zu Überschrift
- Ich erkenne Wirtschafts-, Medizin- und Rechtsregister.
- Ich sprachmittle eine Fachaussage auf Alltagsniveau.
- Ich nenne drei Sprachmittlungs-Strategien.
Prüfungsbeispiel — GER C1 Lesen, Teil 4 Link zu Überschrift
Aufgabe: In einem Themenheft „Sprachen im Beruf“ lesen Sie sieben kurze Aussagen. Ordnen Sie fünf Aussagen den drei Fachtexten (W / M / R) aus A zu. Zwei Aussagen passen zu keinem.
- „Die Patientin erhält intravenöse Antibiotika.“ → M
- „Die Anlage bietet keinen Kapitalschutz.“ → W
- „Die Haftung ist auf bestimmte Pflichten beschränkt.“ → R
- „Eine Erhöhung der Entzündungswerte deutet auf Infektion.“ → M
- „Vergangene Renditen garantieren nichts für die Zukunft.“ → W
- „Alle drei Fachsprachen sind ohne Fremdwörter.“ → – (Distraktor)
- „Recht ist allgemein verständlich formuliert.“ → – (Distraktor)
Lösungen
1 = M · 2 = W · 3 = R · 4 = M · 5 = W. (6, 7 = Distraktoren.)
Zeit: Einstieg 7’ · Input 18’ · Üben 18’ · Anwenden 22’ · Prüfungsvorschau 15'.
Häufige Stolperfallen Link zu Überschrift
- Nominalstil wirkt formell, kann aber unverständlich werden; Verbalisierung ist auf C1 ein bewusster Stilakt.
- Termini Technici im Recht sind oft latinisiert und unentbehrlich (pacta sunt servanda).
- Sprachmittlung ≠ Übersetzung: Sprachmittlung erlaubt Adaption, Übersetzung soll Wort für Wort übertragen.
Weiterführende Materialien Link zu Überschrift
- Wirtschaftsdeutsch — WU Wien Kurse: https://www.wu.ac.at/
- Bundesärztekammer „Sprache in der Medizin“.
- Bundesnotarkammer Glossar Recht.

