Einheit 7 — Historiografie: Wem gehört das Narrativ?

Modell: Einstieg → Input → Üben → Anwenden → Reflexion · GER-Stufe: C1

Lernziele Link zu Überschrift

  • Ich folge einer Podcast-Diskussion mit drei Historiker:innen.
  • Ich unterscheide Quelle, Narrativ, Meta-Narrativ.
  • Ich problematisiere ein nationales Geschichtsnarrativ.

GER-Ausrichtung Link zu Überschrift

Prüfungsmodul Hören — Teil 3 ((Radio-)Diskussion mit drei Personen, MC-3gl, einmaliges Hören).

Einstiegsgeschichte Link zu Überschrift

Eine Folge des Podcasts „Geschichte verhandelt“ — drei Historiker:innen, eine Moderatorin. Thema: „Wer schreibt die Geschichte der DDR?“ — und allgemein: wer schreibt „unsere“ Geschichte?

1. Einstieg Link zu Überschrift

  • Wer hat in Ihrer Schule Geschichte unterrichtet — und welche Geschichte?
  • Welches Ereignis Ihrer Heimat wird kontrovers erinnert?
  • Was unterscheidet eine Quelle von einer Erzählung?

2. Input Link zu Überschrift

A. Diskussions-Transkript Link zu Überschrift

Moderatorin: Frau Dr. Vogt, wer hat die Geschichte der DDR geschrieben?

Vogt: Die Frage selbst ist schon politisch. In den 90er Jahren waren es vor allem West-Historiker:innen. Heute kommen Stimmen dazu, die in der DDR sozialisiert waren — das verändert den Ton. Aber das Material, die Akten, die Quellen, sind dieselben.

Bauer: Das stimmt nicht ganz. Auch die Akten sind durch ihre Sammler ausgewählt. Was nicht in den Akten steht, ist ebenso Geschichte. Schweige-Archive nenne ich das — die Lücken, die kein offizielles Dokument hinterlässt.

Lange: Mir fehlt in dieser Debatte oft das Prinzip Selbstkritik. Auch West-Sozialisierte schreiben nicht neutral. Es gibt kein Ohne-Standpunkt-Erzählen.

Moderatorin: Wo trifft sich das?

Bauer: In der Praxis: Wer eine Geschichte schreibt, muss ihren Standpunkt offenlegen. Das ist Methodik, nicht Schwäche.

B. Begriffe Link zu Überschrift

BegriffErklärung
Quelledokumentarische Grundlage
Narrativerzählerische Strukturierung von Quellen
Meta-Narrativübergreifende Erzählung, oft national
Schweige-Archivdas, was nicht dokumentiert wurde — auch Geschichte
Standpunkt-offenlegenMethodik, eigene Perspektive transparent machen

3. Üben Link zu Überschrift

Aufgabe 1 — MC. Wer sagt was?

  1. „Die Akten sind dieselben — das verändert sich nicht.“ → V / B / L
  2. „Es gibt kein Ohne-Standpunkt-Erzählen.“ → V / B / L
  3. „Schweige-Archive sind ebenso Geschichte.“ → V / B / L
  4. „Standpunkte offenlegen ist Methodik.“ → V / B / L

Aufgabe 2 — Begriff. Was ist gemeint?

  • „Mehrere Generationen erzählen die DDR. Wer hört sich durch?“
  • „Was nicht in der Akte steht, ist auch Quelle.“
  • „Die Geschichte vom ‚Wirtschaftswunder’ ist ein …“

Aufgabe 3 — Eigenes Beispiel. Nennen Sie ein Meta-Narrativ Ihrer Heimat — und einen Aspekt, der darin nicht erzählt wird.

Lösungen

Aufgabe 1. 1) V · 2) L · 3) B · 4) B (mit Lange in Konsens).

Aufgabe 2. 1) Pluralität der Erzählinstanzen · 2) Schweige-Archiv · 3) Meta-Narrativ.

Aufgabe 3. Individuell.

4. Anwenden Link zu Überschrift

Diskussion (C1, ca. 5 Min):

„Welches Meta-Narrativ Ihrer Heimat würden Sie anders erzählen wollen — und warum?“

Verwenden Sie Quelle, Narrativ, Standpunkt offenlegen.

5. Reflexion Link zu Überschrift

  • Ich folge einer historiografischen Diskussion mit drei Stimmen.
  • Ich unterscheide Quelle / Narrativ / Meta-Narrativ / Schweige-Archiv.
  • Ich nenne ein Meta-Narrativ + Lücke darin.

Prüfungsbeispiel — GER C1 Hören, Teil 3 Link zu Überschrift

Aufgabenstellung: Sie hören die Podcast-Diskussion (Input A) einmal. Ordnen Sie acht Aussagen den drei Historiker:innen zu oder als Distraktor (–).

  1. „Akten sind durch ihre Sammler ausgewählt.“ → B
  2. „90er Jahre dominierten West-Historiker:innen.“ → V
  3. „Es gibt kein Ohne-Standpunkt-Erzählen.“ → L
  4. „Standpunkte offenlegen ist Methodik.“ → B
  5. „Schweige-Archive sind reine Polemik.“ → – (Distraktor)
  6. „West-Sozialisierte schreiben nicht neutral.“ → L
  7. „Heute kommen mehr Stimmen aus DDR-Sozialisation dazu.“ → V
  8. „Material und Akten sind beliebig austauschbar.“ → – (Distraktor)

Zeit: Einstieg 7’ · Input 18’ · Üben 18’ · Anwenden 25’ · Prüfungsvorschau 17'.

Häufige Stolperfallen Link zu Überschrift

  • „Narrativ“ (n.) ist neutrum.
  • „Schweige-Archiv“ ist methodisches Konzept (nicht Stille = Schweigen + Archiv-Akte).
  • „Standpunkt offenlegen“ ≠ Subjektivität als Schwäche.

Weiterführende Materialien Link zu Überschrift

Downloads