Einheit 2 — Politische Diskursanalyse
Modell: Einstieg → Input → Üben → Anwenden → Reflexion · GER-Stufe: C1
Lernziele Link zu Überschrift
Nach dieser Einheit können Sie Folgendes von sich sagen:
- Ich identifiziere rhetorische Strategien in politischen Texten — insbesondere Framing, Präsupposition und Metaphorik — und benenne sie mit der einschlägigen Fachterminologie.
- Ich verfasse einen analytischen Forumsbeitrag (ca. 230 Wörter), der Beobachtung, Analyse und begründetes Urteil sauber trennt.
- Ich kenne Begriffe wie Framing, Metapher, Präsupposition und setze sie in einer textgebundenen Analyse präzise ein.
Übergeordnetes Ziel ist die Fähigkeit, zwischen legitimer Überzeugungsarbeit und manipulativer Rahmensetzung methodisch zu unterscheiden — nicht intuitiv, sondern anhand nachweisbarer sprachlicher Merkmale.
Einstieg Link zu Überschrift
Stellen Sie sich vor, zwei Zeitungen berichten über dieselbe Maßnahme. Die eine schreibt von einer „Entlastung der Steuerzahler“, die andere von „Kürzungen im Sozialhaushalt“. Der Sachverhalt ist identisch — der Frame nicht. Schon die Wortwahl legt fest, ob wir Erleichterung oder Verlust empfinden, bevor überhaupt ein Argument gefallen ist.
Genau hier setzt Diskursanalyse an: Sie fragt nicht zuerst, ob eine Aussage wahr ist, sondern wie sie uns zum Verstehen anleitet — welche Rahmen sie aufspannt, welche Voraussetzungen sie stillschweigend mitliefert und welche Alternativen sie unsichtbar macht.
Einstiegsfragen zur Diskussion:
- Welche drei rhetorischen Mittel erkennen Sie sofort in einer politischen Rede — und woran?
- Worin besteht der Unterschied zwischen Framing und Lügen? Kann ein Frame wahr und dennoch irreführend sein?
- Wann ist eine Metapher analytisch erhellend, wann verschleiert sie?
Input Link zu Überschrift
A. Analyse-Wortschatz Link zu Überschrift
| Begriff | Erklärung | Beispielkollokation |
|---|---|---|
| das Framing | Rahmensetzung: Ein Sachverhalt wird durch Wort- und Bildwahl in einen bestimmten Deutungsrahmen gestellt | einen Frame aufspannen / bedienen |
| die Präsupposition | stillschweigende Voraussetzung, die eine Äußerung als gegeben unterstellt, ohne sie zu behaupten | etwas als selbstverständlich präsupponieren |
| die Metapher | bildhafte Übertragung aus einem Quellbereich auf einen Zielbereich | eine Metaphorik bemühen / durchhalten |
| der Präsuppositionsauslöser | sprachliches Element, das eine Präsupposition erzwingt (z. B. faktive Verben, definite Kennzeichnungen) | „wieder“, „aufhören“, „wissen, dass …“ |
| die Wir-Konstruktion | rhetorische Erzeugung einer Zugehörigkeit, die den Adressaten vereinnahmt | ein inklusives „Wir“ setzen |
| die Gegnerkonstruktion | sprachliche Erzeugung eines „Anderen“, gegen den sich das „Wir“ definiert | einen Antagonismus inszenieren |
| der Euphemismus | beschönigende Ersetzung eines belastenden Ausdrucks | einen Sachverhalt euphemistisch verhüllen |
| die Nominalisierung | Verwandlung eines Vorgangs in ein Substantiv, wodurch Handelnde verschwinden | Agens durch Nominalisierung tilgen |
| die Hedging-Formel | sprachliche Absicherung, die eine Behauptung abschwächt oder relativiert | eine Aussage hedgen / vorsichtig markieren |
B. Grammatik im Fokus — Distanz und Vorsicht markieren (Hedging & Redewiedergabe) Link zu Überschrift
Wissenschaftliche Analyse behauptet nicht, sie wägt ab. C1-Analysen zeichnen sich durch modalisierte, distanzierende Formulierungen aus.
Konjunktiv I der indirekten Rede — distanziert Behauptetes vom eigenen Urteil:
Der Redner behauptet, das Land sei krank und benötige Ruhe.
Hedging mit Modalverben und Adverbien — markiert Analyse als Deutung, nicht als Tatsache:
Die Metapher dürfte darauf abzielen, Widerspruch als Störung erscheinen zu lassen. Vermutlich / offenbar / augenscheinlich wird hier eine Dringlichkeit suggeriert, die der Sachverhalt nicht hergibt.
Distanzierendes Passiv und unpersönliche Konstruktionen — halten die analytische Stimme neutral:
Es lässt sich beobachten, dass … / Auffällig ist, dass … / Der Text legt nahe, dass …
C. Beispieltext 1 — fiktives politisches Zitat (original, didaktisch) Link zu Überschrift
Das folgende Zitat ist nicht einer realen Rede entnommen. Es ist eigens für diese Einheit formuliert, damit keine reale Person im Unterricht bloßgestellt wird und dennoch ein authentisch wirkendes Analyseobjekt vorliegt.
„Wir werden die Grenzen unseres Landes nicht nur verteidigen — wir werden sie heilen. Unser Land ist krank, und ein krankes Land braucht vor allem Ruhe. Wer das begriffen hat, steht längst bei uns. Und wer es noch nicht begriffen hat, der wird es lernen.“
Erste Beobachtungen (Modell für Ihre eigene Analyse):
| Strategie | Textstelle | Wirkung |
|---|---|---|
| Krankheits-Metaphorik (Land = kranker Körper) | „Unser Land ist krank … braucht Ruhe“ | Politik wird von Argument auf Therapie umgestellt; Widerspruch erscheint als Störung der Genesung |
| Präsupposition (faktiver Auslöser „begreifen“) | „Wer das begriffen hat …“ | Unterstellt als Tatsache, dass es nur eine richtige Einsicht gebe; wer widerspricht, hat schlicht „nicht begriffen“ |
| Wir-/Gegnerkonstruktion | „steht längst bei uns“ vs. „wer es noch nicht begriffen hat“ | Teilt das Publikum in Eingeweihte und Nachzügler und macht Zustimmung zur Reifefrage |
| Drohung im Lehrgestus | „der wird es lernen“ | Konformität wird als naturgesetzliche Entwicklung, nicht als Zwang präsentiert |
D. Beispieltext 2 — Analyse-Musterabsatz (original) Link zu Überschrift
So könnte ein knapper, C1-gerechter Analyseabsatz zu Textstelle C aussehen — beachten Sie die durchgehende Distanzmarkierung:
Auffällig ist zunächst die somatische Metaphorik: Indem das Land als „krank“ bezeichnet wird, verschiebt der Redner die Auseinandersetzung von der politischen auf die therapeutische Ebene. Ein Kranker braucht nicht Debatte, sondern Ruhe — folglich erscheint Widerspruch nicht als legitimes Recht, sondern als schädliche Unruhe. Verstärkt wird dieser Effekt durch das faktive Verb „begreifen“, das eine einzige richtige Einsicht präsupponiert. Wer nicht zustimmt, dem wird nicht ein anderes Urteil, sondern schlicht mangelnde Einsicht zugeschrieben. Man könnte daher argumentieren, dass die Passage weniger überzeugen als Zustimmung moralisch erzwingen will.
E. Kontext — Framing und Präsupposition als Fachbegriffe Link zu Überschrift
Der Begriff Framing wurde in der politischen Kommunikationsforschung maßgeblich durch George Lakoff geprägt, der Frames als mentale Deutungsstrukturen beschreibt, die festlegen, wie ein Sachverhalt überhaupt wahrgenommen wird; die Kommunikationswissenschaft (u. a. Bertram Scheufele) unterscheidet dabei mehrere Typen von Framing-Effekten, etwa die Veränderung bestehender Deutungsrahmen und die Etablierung neuer (paraphrasiert nach den unten verlinkten Quellen). Die Präsupposition ist demgegenüber ein linguistischer Fachterminus: Sie bezeichnet eine implizite Voraussetzung, die auch dann bestehen bleibt, wenn man den Satz verneint — das klassische Schulbeispiel ist „Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahlköpfig“, das voraussetzt, dass es einen solchen König überhaupt gibt (paraphrasiert nach Wikipedia / DWDS, s. Quellen). Für die Diskursanalyse ist diese Eigenschaft zentral: Was präsupponiert wird, entzieht sich der Diskussion, weil es gar nicht erst behauptet, sondern vorausgesetzt wird.
Üben Link zu Überschrift
Aufgabe 1 — Strategie zuordnen (Grundstufe C1) Link zu Überschrift
Ordnen Sie jeder Äußerung die dominante Strategie zu (Präsupposition, Wir-/Gegnerkonstruktion, Euphemismus, Nominalisierung):
- „Wir alle wissen doch längst, dass hier etwas schiefläuft.“
- „Ein Beitrag für die schweigende, anständige Mehrheit.“
- „Es kam zu einem Stellenabbau“ statt „Wir haben Menschen entlassen“.
- „Warum eigentlich immer noch keine Lösung?“
Aufgabe 2 — Präsuppositionsauslöser erkennen (Grundstufe C1) Link zu Überschrift
Nennen Sie zu jedem Satz die präsupponierte, nicht behauptete Annahme:
- „Hat die Regierung ihr Versprechen erneut gebrochen?“
- „Wann hört die Opposition endlich auf, das Land zu blockieren?“
- „Bedauerlicherweise hat man die Warnungen ignoriert.“
Aufgabe 3 — Neutralisieren und gegenargumentieren (Mittelstufe C1) Link zu Überschrift
Schreiben Sie zwei Sätze, die dem Zitat aus Abschnitt C ohne Polemik argumentativ widersprechen. Benennen Sie dabei die Strategie explizit und stellen Sie ihr ein sachliches Prinzip entgegen (nicht Empörung, sondern Argument).
Aufgabe 4 — Analyse-Rahmen aufbauen (Aufbaustufe C1) Link zu Überschrift
Verfassen Sie einen zusammenhängenden Analyseabsatz (ca. 80–100 Wörter) zu Zitat C nach folgender Struktur — und markieren Sie Ihre analytische Distanz konsequent (Konjunktiv I, Hedging):
- Beobachtung (Was steht da? — neutral referieren)
- Strategie benennen (Fachterminus)
- Effekt (Wirkung auf die Leserin / den Leser)
- begründetes Urteil (vorsichtig modalisiert)
Lösungen
Aufgabe 1.
- Präsupposition („wir alle wissen doch längst“ setzt den Missstand als geteiltes Wissen voraus) · 2) Wir-/Gegnerkonstruktion („anständige Mehrheit“ impliziert eine unanständige Minderheit) · 3) Euphemismus / Nominalisierung („Stellenabbau“ tilgt die Handelnden) · 4) Präsupposition (der Auslöser „immer noch“ setzt voraus, dass eine Lösung längst hätte da sein müssen).
Aufgabe 2.
- „erneut“ präsupponiert, dass die Regierung ihr Versprechen schon zuvor gebrochen hat. · 2) Das Phasenverb „aufhören“ präsupponiert, dass die Opposition das Land tatsächlich blockiert. · 3) Das faktive Adverb „bedauerlicherweise“ präsupponiert als Tatsache, dass Warnungen existierten und ignoriert wurden.
Aufgabe 3 (Musterlösung). Die somatische Metaphorik vom „kranken Land“ ist rhetorisch wirkmächtig, verstellt jedoch den Blick auf konkrete, verhandelbare politische Entscheidungen; wer heilen will, muss zunächst benennen, was genau der Befund sein soll. — Zudem sollte in einer Demokratie Zustimmung nicht über die Unterstellung mangelnder Einsicht („wer es noch nicht begriffen hat“) hergestellt werden, sondern über Argumente, die auch Widerspruch als legitim anerkennen.
Aufgabe 4 (Musterlösung). Der Text stellt das Land wiederholt als kranken Körper dar, der „Ruhe“ benötige. Damit bedient er eine somatische Metaphorik, die politische Auseinandersetzung in Therapie umdeutet. Für die Leserschaft dürfte dies zur Folge haben, dass Widerspruch nicht als demokratisches Recht, sondern als störende Unruhe erscheint. Verstärkt werde dieser Eindruck, so ließe sich argumentieren, durch das faktive „begreifen“, das eine einzige richtige Einsicht präsupponiert. Man könnte daher urteilen, dass die Passage weniger überzeugen als moralisch vereinnahmen will.
Anwenden Link zu Überschrift
Produktionsaufgabe (C1, ca. 230 Wörter): Verfassen Sie einen analytischen Forumsbeitrag für das Feuilleton-Forum einer überregionalen Zeitung zur folgenden These:
„Politische Rhetorik sollte im Unterricht als Analyseobjekt behandelt werden — gerade auch jene Rhetorik, die uns stört.“
Setzen Sie vier Sprachfunktionen um: erklären (was Analyse leistet), argumentieren (Ihre Position), mit Beispielen erläutern (nutzen Sie die Krankheits-Metapher oder einen eigenen Frame) und abwägen (Vor- und Nachteile).
Bewertungskriterien:
- Inhalt & Aufgabenerfüllung: alle vier Sprachfunktionen erkennbar umgesetzt; klare, begründete Position.
- Fachlichkeit: mindestens zwei Fachbegriffe (Framing, Präsupposition, Metapher …) korrekt verwendet.
- Register: durchgehend analytisch-distanziert, kein polemischer Ton; Hedging und Konjunktiv I zur Distanzmarkierung.
- Kohärenz & Sprache: logische Gliederung, komplexe Konnektoren, C1-Wortschatz, grammatische Korrektheit.
Prüfung — GER C1, Modul Schreiben, Teil 1 Link zu Überschrift
Aufgabe (ca. 230 Wörter): Schreiben Sie einen Kommentar für ein Online-Feuilleton-Forum zur These:
„Die Schule sollte ein Pflichtfach ‚Rhetorik- und Medienkompetenz‘ einführen.“
Wählen Sie einen eigenen Titel. Setzen Sie vier Sprachfunktionen um (erklären · argumentieren · mit Beispielen erläutern · Vor- und Nachteile abwägen) und schließen Sie mit einer klaren Position.
Punkte-Rubrik (25 Punkte):
| Kriterium | Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
| Aufgabenerfüllung | These getroffen, alle vier Sprachfunktionen umgesetzt, Umfang eingehalten | 6 |
| Kohärenz & Textaufbau | erkennbare Gliederung, Konnektoren, roter Faden, Titel | 5 |
| Wortschatz | C1-Register, Fachbegriffe korrekt, Präzision, kaum Wiederholung | 5 |
| Strukturen | Satzvariation, Konjunktiv, Passiv/Hedging, komplexe Nebensätze | 5 |
| Korrektheit | Grammatik, Orthografie, Interpunktion | 4 |
| Summe | 25 |
Richtwert: ab 20 Punkten sehr gut · 15–19 gut · 11–14 ausreichend · unter 11 nicht bestanden.
Reflexion Link zu Überschrift
- Ich benenne mindestens vier rhetorische Strategien mit dem korrekten Fachterminus.
- Ich erkenne Präsuppositionsauslöser (wieder, aufhören, wissen, dass …) und nenne die präsupponierte Annahme.
- Ich verfasse einen 230-Wörter-Analysebeitrag auf C1-Niveau mit vier Sprachfunktionen.
- Ich markiere analytische Distanz sprachlich (Konjunktiv I, Hedging, distanzierendes Passiv).
- Ich unterscheide kritische Analyse zuverlässig von bloßer Polemik.
Hinweise für Lehrkräfte Link zu Überschrift
Zeitplan (45 Minuten):
- Einstieg (6′): Zeitungs-Beispiel („Entlastung“ vs. „Kürzung“) an die Tafel; Einstiegsfragen im Plenum sammeln.
- Input (12′): Wortschatz- und Grammatikbox gemeinsam; Zitat C laut vorlesen lassen, erste Beobachtungen mündlich.
- Üben (15′): Aufgaben 1–2 in Partnerarbeit (schnell, mündlich auflösbar); Aufgabe 3 in Einzelarbeit; Aufgabe 4 als Differenzierungsaufgabe für schnelle Lernende.
- Anwenden (10′): Schreibaufgabe anschreiben, Kriterien besprechen, Beginn im Unterricht — Fertigstellung als Hausaufgabe.
- Abschluss/Reflexion (2′): Checkliste austeilen.
Gruppierung: Aufgaben 1–2 in Tandems (Aktivierung, Sicherheit); Aufgabe 3 einzeln (individuelle Formulierungskompetenz); Aufgabe 4 als Add-on. Für die Produktionsaufgabe optional Peer-Feedback anhand der Bewertungskriterien.
Differenzierung: Grundstufe — Aufgaben 1–2 genügen; Analyseabsatz mit vorgegebenem Satzgerüst („Auffällig ist … / Damit bedient der Text … / Für die Leserschaft bedeutet dies … / Man könnte daher urteilen, dass …“). Aufbaustufe — Aufgabe 4 plus eigener Frame-Fund aus einer aktuellen (paraphrasierten, nicht zitierten) Schlagzeile.
Sensibilität: Das Zitat C ist bewusst fiktiv und überparteilich gehalten. Halten Sie die Diskussion an sprachlichen Merkmalen fest, nicht an tagespolitischen Lagern — Ziel ist Methodenkompetenz, nicht Positionierung.
Quellen Link zu Überschrift
- Framing (Sozialwissenschaften) — Wikipedia-Autoren (o. J.), https://de.wikipedia.org/wiki/Framing_(Sozialwissenschaften), Lizenz: CC BY-SA 4.0. (Paraphrasiert: Lakoff, Frame-Typologie nach Scheufele.)
- Präsupposition — Wikipedia-Autoren (o. J.), https://de.wikipedia.org/wiki/Präsupposition, Lizenz: CC BY-SA 4.0. (Paraphrasiert: Definition, König-von-Frankreich-Beispiel, Negationstest, Präsuppositionsauslöser.)
- Präsupposition — DWDS, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (o. J.), https://www.dwds.de/wb/Präsupposition, Lizenz: CC BY-SA 4.0 (Wörterbuchartikel). (Paraphrasiert: Bedeutung und Verwendung.)
- Alle Beispieltexte (Zitat C, Analyse-Musterabsatz, Übungssätze, Lösungen) sind original für diese Einheit verfasst und stehen unter keiner fremden Urheberschaft.
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das Framing · die Präsupposition · die Metapher · der Präsuppositionsauslöser · die Wir-Konstruktion · die Gegnerkonstruktion · der Euphemismus · die Nominalisierung · die Hedging-Formel
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Die Metapher dürfte darauf abzielen, Widerspruch als Störung
erscheinen zu lassen.
Vermutlich / offenbar / augenscheinlich wird hier eine Dringlichkeit
suggeriert, die der Sachverhalt nicht hergibt.
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*„Wir werden die Grenzen unseres Landes nicht nur verteidigen — wir
werden sie heilen. Unser Land ist krank, und ein krankes Land braucht
vor allem Ruhe. Wer das begriffen hat, steht längst bei uns. Und wer
es noch nicht begriffen hat, der wird es lernen.*
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Krankheits-Metaphorik (Land = kranker Körper) · Präsupposition (faktiver Auslöser „begreifen) · Wir-/Gegnerkonstruktion · Drohung im Lehrgestus
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*Auffällig ist zunächst die somatische Metaphorik: Indem das Land als
„krank bezeichnet wird, verschiebt der Redner die Auseinandersetzung
von der politischen auf die therapeutische Ebene. Ein Kranker braucht
nicht Debatte, sondern Ruhe — folglich erscheint Widerspruch nicht als
legitimes Recht, sondern als schädliche Unruhe. Verstärkt wird dieser
Effekt durch das faktive Verb „begreifen, das eine einzige richtige
Einsicht präsupponiert. Wer nicht zustimmt, dem wird nicht ein anderes
Urteil, sondern schlicht mangelnde Einsicht zugeschrieben. Man könnte
daher argumentieren, dass die Passage weniger überzeugen als
Zustimmung moralisch erzwingen will.*
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*„Politische Rhetorik sollte im Unterricht als Analyseobjekt behandelt
werden — gerade auch jene Rhetorik, die uns stört.*
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Aufgabenerfüllung · Kohärenz & Textaufbau · Wortschatz · Strukturen · Korrektheit · Summe

