Einheit 2 — Wissenschaft kommunizieren

GER-Stufe B2 · Goethe-Zertifikat B2 · Modul Hören

S. Le Boulanger

Note

Modell: Einstieg → Input → Üben → Anwenden → Reflexion · GER-Stufe: B2

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Lernziele

  • Ich folge einem 6-Min-Radiointerview mit einer Forscherin.
  • Ich unterscheide Hypothese / Ergebnis / Einschränkung.
  • Ich schreibe einen 150-Wörter-Foruumbeitrag zum Thema.

GER-Ausrichtung

Goethe-Modul Hören — Teil 2 (Radiointerview mit einer Persönlichkeit, 2× hören, MC-3gl).

Einstiegsgeschichte

Dr. Talia Weiss, Ethikerin an der Universität Freiburg, gibt im Ö1-Studio Wien ein Interview zu einer neuen Studie über soziale Medien und politische Meinungsbildung. Im Publikum sitzt Elena — sie wird die Meldung in einer Redaktion zusammenfassen.

1. Einstieg

  • Wo suchen Sie wissenschaftliche Informationen?
  • Was trennt Wissenschaft von Meinung?
  • Wie würden Sie einer Laien-Zuhörerin „Korrelation ≠ Kausation” erklären?

2. Input

A. Interview-Transkript (gekürzt)

Moderator: Frau Dr. Weiss, Sie haben gerade eine Studie zu sozialen Medien und politischer Meinungsbildung veröffentlicht. Was ist das überraschende Ergebnis?

Dr. Weiss: Wir haben 4 300 Teilnehmende über 18 Monate beobachtet. Unsere Hypothese war, dass soziale Medien eine starke Polarisierung auslösen. Unser Befund ist differenzierter: die Polarisierung tritt vor allem dort auf, wo Menschen bereits emotional engagiert waren. Wer sich politisch wenig interessiert, wird durch den Algorithmus nicht stärker polarisiert — eher desinteressiert.

Moderator: Ein Befund mit Einschränkungen?

Dr. Weiss: Auf jeden Fall. Erstens: die Stichprobe stammt aus drei Ländern, nicht weltweit. Zweitens: wir haben nicht gemessen, was die Teilnehmenden offline erleben. Drittens: das Beobachtungsfenster war 18 Monate, nicht mehrere Jahre.

B. Wissenschaftssprache (B2)

Phänomen Sprache
Hypothese Wir gingen davon aus, dass …
Befund Unsere Daten zeigen, dass …
Einschränkung Einschränkend ist zu sagen, dass …
Korrelation Es zeigt sich ein Zusammenhang …
Kausation … verursacht …
Differenzierung Unser Bild ist differenzierter als erwartet.

3. Üben

Aufgabe 1 — MC (B2-Hören Teil 2, 2× hören).

  1. Wie viele Teilnehmende?
    1. 430 · b) 4 300 · c) 43 000.
  2. Wer wird besonders stark polarisiert?
    1. politisch Uninteressierte · b) Jugendliche · c) bereits emotional engagierte.
  3. Eine Einschränkung der Studie:
    1. nur drei Länder · b) zu große Stichprobe · c) kein Kontrollgruppe.

Aufgabe 2 — Paraphrase. Formulieren Sie um:

  1. Wir gingen davon aus, dass soziale Medien polarisieren.
  2. Unsere Daten zeigen, dass diese Annahme nur teilweise stimmt.

Aufgabe 3 — Korrelation oder Kausation?

  1. „Kinder mit mehr Büchern zu Hause lesen besser.” (Korrelation / Kausation?)
  2. „Regen macht die Straße nass.”

Lösungen

Aufgabe 1. 1) b · 2) c · 3) a.

Aufgabe 2. Individuell. Muster: - Unsere Hypothese lautete: soziale Medien polarisieren. - Die Daten bestätigen die Hypothese nur teilweise.

Aufgabe 3. 1) Korrelation (Bücher + Bildung korrelieren, aber Kausation unklar) · 2) Kausation.

4. Anwenden

Schreibaufgabe (B2, ca. 150 Wörter): Verfassen Sie einen Forumsbeitrag, der die Studienergebnisse in laiengerechter Sprache zusammenfasst:

  • Worum ging es in der Studie?
  • Was war das Kernergebnis?
  • Welche Einschränkungen gibt es?
  • Ihre Bewertung.

5. Reflexion

Prüfungsbeispiel — Goethe B2 Hören, Teil 2

Aufgabenstellung: Sie hören das Interview mit Dr. Weiss zweimal. Wählen Sie bei jeder Frage die richtige Lösung a/b/c. (Interview-Transkript siehe Input A.)

  1. Was war die Hypothese der Studie?
    1. Medien fördern Polarisierung · b) Medien sind neutral · c) Medien fördern Demokratie.
  2. Welches Ergebnis überrascht?
    1. starke Wirkung auf alle · b) differenzierte Wirkung nach Vorengagement · c) gar keine Wirkung.
  3. Eine Einschränkung:
    1. Zeitraum zu lang · b) nur drei Länder · c) zu kleine Stichprobe.
  4. Wer zeigt weniger Polarisierung?
    1. Jugendliche · b) Desinteressierte · c) Alle älteren.
  5. Wie lange lief die Beobachtung?
    1. 6 Monate · b) 18 Monate · c) 3 Jahre.
  6. Welche Datenlücke nennt Dr. Weiss?
    1. offline · b) Nutzerkommentare · c) Alter.

Lösungen

  1. a · 2. b · 3. b · 4. b · 5. b · 6. a.

Downloads

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Häufige Stolperfallen

  • „Befund” vs. „Ergebnis”: Befund oft in medizinisch/wissenschaftlichem Kontext, Ergebnis allgemeiner.
  • „Stichprobe” (f.) = sample; nicht mit „Beispiel” verwechseln.
  • Konjunktiv I in Zitat: Sie sagt, die Wirkung trete differenziert auf. B2 rezeptiv.

Weiterführende Materialien