Einheit 6 — Umwelt und Mobilität

Modell: Einstieg → Input → Üben → Anwenden → Reflexion · GER-Stufe: B1

Lernziele Link zu Überschrift

Am Ende dieser Einheit …

  • kann ich einer Diskussionsrunde zu Mobilität in ihren Hauptaussagen folgen und die Positionen den Sprecher:innen zuordnen. (Kann-Beschreibung: „Ich kann einer Diskussionsrunde zu Mobilität in ihren Hauptaussagen folgen.“)
  • kann ich zu einer Mobilitäts-Frage eine eigene Position formulieren und begründen. (Kann-Beschreibung: „Ich kann zu einer Mobilitäts-Frage eine eigene Position begründen.“)
  • kann ich Gegenargumente höflich aufnehmen und darauf reagieren. (Kann-Beschreibung: „Ich kann Gegenargumente höflich aufnehmen.“)
  • kann ich wichtige Wörter zum Thema „Verkehr, Klima und Alltag“ verstehen und benutzen.
  • kann ich höfliche und hypothetische Aussagen mit Konjunktiv II (würde, könnte) sowie Begründungen mit weil, obwohl und wenn bilden.

GER-Ausrichtung Link zu Überschrift

  • Kompetenzbereich: Hörverstehen (selbstständige Sprachverwendung, B1), mit Anschluss an die mündliche Interaktion.
  • Prüfungsmodul dieser Einheit: Hören — Teil 3 (längeres Gespräch zwischen mehreren Personen; Wer sagt was? / Zuordnung).
  • Zusätzliches produktives Gerüst: kurze Stellungnahme mit Begründung und höflicher Reaktion auf ein Gegenargument.

Einstieg Link zu Überschrift

Einstiegsgeschichte Link zu Überschrift

Eine Podiumsdiskussion im Kulturzentrum Sarajevo, organisiert vom Österreichischen Kulturforum. Das Thema steht groß über der Bühne: „Autofrei? Wie geht das in einer Stadt, in der der Bus drei Mal am Tag fährt?“ Auf dem Podium sitzen drei Gäste mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen: Kjell Baumann, NGO-Mitarbeiter aus Köln, der seit Jahren für verkehrsberuhigte Viertel arbeitet; Amina Mišić, Verkehrsplanerin in Sarajevo, die die Zahlen ihrer Stadt genau kennt; und Herr Stefan Tanner, Rentner aus Salzburg, für den das Auto oft die einzige Verbindung zur Welt ist. Es moderiert Nihad Kovač.

Draußen ist es kalt, drinnen wird es schnell warm — denn beim Thema Verkehr hat fast jeder eine Meinung.

Aktivieren Sie Ihr Vorwissen.

  • Wie kommen Sie typischerweise in die Stadtmitte — mit dem Auto, dem Rad, den Öffis oder zu Fuß? Was sagt das über Ihre Stadt aus?
  • Welche Argumente hören Sie häufig für und gegen autofreie Zonen? Sammeln Sie zu zweit je zwei.
  • „Mobilität ist Freiheit.“ Stimmen Sie dieser Aussage zu, oder sehen Sie das anders? Begründen Sie kurz.

Input Link zu Überschrift

A. Hörtext (zum Vorlesen) — Ausschnitt aus der Podiumsdiskussion Link zu Überschrift

Für die Lehrkraft: Lesen Sie den Text einmal ruhig und deutlich vor (ca. 2 Minuten). Die Lernenden hören zunächst nur zu, ohne mitzulesen. Danach folgen die Aufgaben im Teil Üben.

Nihad (Moderation): Frau Mišić, Sarajevo hat noch keine autofreie Innenstadt. Wäre so etwas bei uns überhaupt umsetzbar?

Amina Mišić: Technisch ja, politisch ist es kompliziert. In den letzten Jahren haben wir in einigen Stadtteilen die Fußgängerzonen erweitert. Aber das Entscheidende ist: Bevor man die Autos rausnimmt, muss der öffentliche Verkehr funktionieren. Sonst ist der Frust bei den Menschen riesig.

Kjell Baumann: Genau dieses Argument höre ich in Köln auch. Wir sagen dann immer: Wir fangen mit einem Viertel an, dann kommt das nächste. Inzwischen gibt es bei uns fünf verkehrsberuhigte Quartiere. Nach sechs Monaten waren die Anwohner:innen begeistert, weil die Kinder wieder auf der Straße spielen konnten.

Herr Tanner: Das hört sich schön an, aber für uns Ältere ist das Auto oft die einzige Möglichkeit, zum Arzt, zum Einkauf oder zur Familie zu kommen. In Salzburg ist meine Bushaltestelle 800 Meter weg — und das bergauf. Ich frage mich: Wer denkt eigentlich an uns?

Kjell Baumann: Das ist ein wichtiger Punkt, den man ernst nehmen muss. Ich glaube auch nicht an die komplett autofreie Stadt. Ich glaube an die fast autofreie Stadt, in der es klare Ausnahmen gibt — für den Lieferverkehr, für den Rettungsdienst und für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Amina Mišić: Und man darf eines nicht vergessen: Viele Fahrten in unseren Städten sind sehr kurz. Auf so kurzen Strecken könnten viele Menschen aufs Rad umsteigen. Aber dafür brauchen wir Radwege, die wirklich sicher sind.

Herr Tanner: Das stimmt, und ehrlich gesagt: Ich selbst würde wieder Rad fahren, wenn ich mich trauen würde. Als junger Mann bin ich jeden Tag mit dem Rad gefahren.

Nihad (Moderation): Also, wenn ich Sie richtig verstehe: Es geht nicht um „Auto gegen Rad“, sondern um gute Bedingungen für alle. Vielen Dank — wir öffnen jetzt die Runde für Fragen aus dem Publikum.

B. Wortschatz Link zu Überschrift

Wort / AusdruckErklärung / Beispiel
verkehrsberuhigt (Adj.)so, dass der Autoverkehr stark reduziert ist
die/der Anwohner:inPerson, die an einer Straße oder in der Nähe wohnt
der LieferverkehrFahrten, um Waren zu bringen (z. B. Pakete, Getränke)
eingeschränkte MobilitätBewegung ist erschwert (z. B. durch Alter oder Behinderung)
umsetzbar (Adj.)realisierbar, machbar
die FußgängerzoneBereich in der Stadt nur für Menschen zu Fuß
auf etwas umsteigendas Verkehrsmittel wechseln, z. B. vom Auto aufs Rad
der Radwegein Weg speziell für Fahrräder
die Öffis (ugs., Pl.)öffentliche Verkehrsmittel (Bus, Tram, Bahn)
klimafreundlich (Adj.)so, dass es dem Klima wenig schadet

C. Grammatik im Blick — höflich und hypothetisch sprechen Link zu Überschrift

Konjunktiv II mit würde und könnte — für Höfliches und für Nicht-Reales:

  • Ich würde wieder Rad fahren. (hypothetisch)
  • Viele könnten aufs Rad umsteigen. (Möglichkeit)
  • Würden Sie das für umsetzbar halten? (höfliche Frage)

Bedingung mit wenn (Konjunktiv II im Haupt- und Nebensatz):

  • Ich würde wieder Rad fahren, wenn die Radwege sicher wären.
  • Wenn der Bus öfter führe, würden mehr Leute ihn nehmen.

Gründe und Einwände — Nebensätze mit Verb am Ende:

  • Die Anwohner sind froh, weil die Kinder wieder draußen spielen können.
  • Obwohl das Auto praktisch ist, fahre ich oft mit dem Rad.
  • Wir glauben, dass der öffentliche Verkehr zuerst funktionieren muss.

Relativsatz — genauer beschreiben:

  • Wir brauchen Radwege, die wirklich sicher sind.
  • Das ist ein Punkt, den man ernst nehmen muss.

Merke: Im Nebensatz (weil, obwohl, dass, wenn und im Relativsatz) steht das konjugierte Verb am Ende.

D. Landeskunde — Verkehr und Klima in Zahlen Link zu Überschrift

Der folgende Sachtext fasst Informationen aus frei lizenzierten und offiziellen Quellen sinngemäß zusammen (siehe Quellen); er ist original formuliert.

Der Verkehr spielt beim Klima eine große Rolle. In Deutschland stammt inzwischen rund ein Fünftel des ausgestoßenen Kohlendioxids aus dem Verkehr; 1990 war dieser Anteil noch deutlich kleiner. Der größte Teil davon entsteht auf der Straße. Deshalb schauen viele Städte genau darauf, wie sich die Menschen bewegen — das nennt man den Modal Split, also die Verteilung der Wege auf Auto, Rad, öffentliche Verkehrsmittel und den Weg zu Fuß.

Interessant ist, dass viele Autofahrten gar nicht weit sind: Für kurze Strecken unter fünf Kilometern wird trotzdem sehr oft das Auto genommen — bei mehr als vier von zehn dieser Fahrten. Gerade hier sehen Fachleute ein großes Potenzial fürs Rad. Wie viele Menschen wirklich radeln, hängt aber stark von der Stadt ab: In manchen Regionen fährt nur ein kleiner Teil mit dem Rad, in fahrradfreundlichen Städten dagegen ein deutlich größerer. Sichere Radwege, gute Busse und Bahnen sowie kurze Wege im Alltag entscheiden also mit darüber, ob eine autofreiere Stadt überhaupt funktionieren kann.

Üben Link zu Überschrift

Aufgabe 1 — Wer sagt was? (B1-Hören, Teil 3). Ordnen Sie jede Aussage einer Person zu: N = Nihad · A = Amina · K = Kjell · T = Herr Tanner

  1. „Ohne einen guten öffentlichen Verkehr funktioniert es nicht.“
  2. „Für ältere Menschen ist das Auto oft die einzige Möglichkeit.“
  3. „Wir fangen mit einem Viertel an, dann kommt das nächste.“
  4. „Auf kurzen Strecken könnten viele aufs Rad umsteigen.“
  5. „Ausnahmen für den Lieferverkehr müssen klar geregelt sein.“
  6. „Ich würde wieder Rad fahren, wenn ich mich trauen würde.“
  7. „Es geht nicht um ‚Auto gegen Rad‘, sondern um gute Bedingungen für alle.“

Aufgabe 2 — Richtig oder falsch? (zum Hörtext). Entscheiden Sie und begründen Sie mit einer kurzen Textstelle.

  1. Amina Mišić hält eine autofreie Innenstadt in Sarajevo für technisch unmöglich.
  2. In Köln gibt es inzwischen fünf verkehrsberuhigte Quartiere.
  3. Herr Tanner ist grundsätzlich gegen jede Einschränkung für das Auto.
  4. Kjell Baumann möchte klare Ausnahmen für Rettungsdienst und Lieferverkehr.
  5. Herr Tanner ist früher nie mit dem Rad gefahren.

Aufgabe 3 — Grammatik: höflich und hypothetisch. Bilden Sie Sätze im Konjunktiv II (würde / könnte) bzw. ergänzen Sie den Konnektor.

  1. (viele Leute / aufs Rad / umsteigen — könnte)
  2. (ich / wieder Rad fahren / wenn / die Radwege / sicher sein)
  3. Ergänzen Sie: „Die Anwohner freuen sich, ____ die Kinder wieder draußen spielen können.“ (weil / obwohl)
  4. Ergänzen Sie: „____ das Auto praktisch ist, nehme ich oft den Bus.“ (weil / obwohl)
  5. Verbinden Sie mit einem Relativsatz: „Wir brauchen Radwege. Die Radwege sind sicher.“

Aufgabe 4 — Wortschatz im Kontext. Setzen Sie ein passendes Wort aus der Wörterliste ein.

  1. In einer ____ dürfen nur Menschen zu Fuß gehen, keine Autos.
  2. Der Bäcker bekommt seine Waren morgens durch den ____.
  3. Für Menschen mit ____ muss es klare Ausnahmen geben.
  4. Auf kurzen Strecken kann man leicht vom Auto aufs Rad ____.
  5. Ein Projekt ist ____, wenn man es wirklich realisieren kann.

Niveau-Differenzierung. Leichter (A2+/B1): Aufgaben 1 und 4 zu zweit, mit offenem Hörtext; bei Aufgabe 2 genügt richtig/falsch ohne Zitat. Anspruchsvoller (B1+): Aufgaben 1 und 2 nur nach dem Hören, ohne Text; bei Aufgabe 3 zusätzlich einen eigenen wenn-Satz mit Konjunktiv II bilden und bei Aufgabe 2 jede Antwort mit einer Textstelle belegen.

Lösungen

Aufgabe 1 — Wer sagt was? 1 = A · 2 = T · 3 = K · 4 = A · 5 = K · 6 = T · 7 = N.

Aufgabe 2 — Richtig/Falsch.

  1. Falsch — „Technisch ja, politisch ist es kompliziert.“
  2. Richtig — „Inzwischen gibt es bei uns fünf verkehrsberuhigte Quartiere.“
  3. Falsch — Er nennt Bedingungen (Weg zum Arzt, Bushaltestelle weit), er ist nicht grundsätzlich dagegen.
  4. Richtig — „klare Ausnahmen … für den Lieferverkehr, für den Rettungsdienst …“.
  5. Falsch — „Als junger Mann bin ich jeden Tag mit dem Rad gefahren.“

Aufgabe 3 — Grammatik. (Musterlösungen)

  1. Viele Leute könnten aufs Rad umsteigen.
  2. Ich würde wieder Rad fahren, wenn die Radwege sicher wären.
  3. weil die Kinder wieder draußen spielen können.
  4. Obwohl das Auto praktisch ist, nehme ich oft den Bus.
  5. Wir brauchen Radwege, die sicher sind.

Aufgabe 4 — Wortschatz.

  1. Fußgängerzone · 2. Lieferverkehr · 3. eingeschränkter Mobilität · 4. umsteigen · 5. umsetzbar.

Anwenden Link zu Überschrift

Kurzstellungnahme in 90 Sekunden.

Wählen Sie eine Position und halten Sie eine kurze Stellungnahme vor der Gruppe:

  • „Meine Stadt sollte ein autofreies Viertel haben.“
  • „Meine Stadt braucht kein autofreies Viertel.“

Baukasten (B1):

  • Ich bin der Meinung, dass …
  • Ein wichtiger Grund dafür ist, dass …
  • Man muss aber auch bedenken, dass …
  • Wenn …, dann würde …
  • Trotzdem halte ich … für …

Höflich auf ein Gegenargument reagieren. Direkt nach Ihrer Stellungnahme nennt jemand aus der Gruppe ein Gegenargument. Nehmen Sie es höflich auf, zum Beispiel so:

  • Das ist ein guter Punkt, den man ernst nehmen muss.
  • Da haben Sie recht, aber ich sehe es trotzdem so, dass …
  • Das verstehe ich gut. Gleichzeitig würde ich sagen, dass …

Beispielantwort auf Zielniveau (B1):

Ich bin der Meinung, dass meine Stadt ein autofreies Viertel braucht. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass viele Fahrten sehr kurz sind — da könnte man leicht aufs Rad umsteigen. Man muss aber auch bedenken, dass ältere Menschen das Auto brauchen. Deshalb würde ich klare Ausnahmen machen. — Gegenargument: „Und wenn der Bus zu selten fährt?“ — Das ist ein guter Punkt. Da haben Sie recht: Zuerst müsste der Bus besser fahren, dann könnte man das Viertel autofrei machen.

Bewertungskriterien für die Stellungnahme:

Kriterium✓ erfüllt, wenn …
Positioneine klare Meinung wird genannt
Begründungmind. ein Grund mit weil / ein Grund ist, dass …
StrukturRedemittel aus dem Baukasten werden genutzt
Reaktiondas Gegenargument wird höflich aufgenommen
Redeflussca. 90 Sekunden, ohne langes Stocken

Prüfung Link zu Überschrift

Prüfungsbeispiel — GER B1 Hören, Teil 3 Link zu Überschrift

Formal orientiert am offiziellen B1-Hören-Modul, Teil 3 (längeres Gespräch zwischen mehreren Personen; Zuordnung Wer sagt was?). Keine Reproduktion echter Modellsatz-Aufgaben — Text und Aufgaben sind original.

Aufgabenstellung (verbatim für Prüfungs-PDF):

Sie hören noch einmal einen Ausschnitt aus der Podiumsdiskussion. Zu welcher Person passt jede Aussage? Ordnen Sie zu. Sie hören den Text einmal. Schreiben Sie A (Amina Mišić), K (Kjell Baumann) oder T (Herr Tanner).

  1. Vor einer autofreien Zone muss der öffentliche Verkehr gut funktionieren. → ____
  2. Für ältere Menschen ist das Auto oft die einzige Verbindung zu Arzt und Familie. → ____
  3. Man sollte Schritt für Schritt vorgehen: erst ein Viertel, dann das nächste. → ____
  4. Für Lieferverkehr und Rettungsdienst braucht man klare Ausnahmen. → ____
  5. Viele kurze Fahrten könnten mit dem Rad gemacht werden. → ____
  6. Unter sicheren Bedingungen würde ich selbst wieder Rad fahren. → ____

Bewertung und Punkte (0–6): 1 Punkt pro richtiger Zuordnung.

PunkteBewertung
5–6sicheres B1-Hörverstehen
4B1 erreicht, mit kleinen Lücken
0–3Ziel noch nicht erreicht — Wiederholung empfohlen
Lösungen Prüfungsbeispiel

1 = A · 2 = T · 3 = K · 4 = K · 5 = A · 6 = T.

Hörstrategie-Tipp: Bei Wer sagt was? zuerst die Aussagen lesen, Schlüsselwörter markieren (z. B. öffentlicher Verkehr, Ausnahmen, kurze Fahrten) und dann beim Hören auf genau diese Signalwörter achten.

Reflexion Link zu Überschrift

Haken Sie ab, was Sie nach dieser Einheit können:

  • Ich kann einer Diskussionsrunde zu Mobilität in ihren Hauptaussagen folgen.
  • Ich kann Aussagen den richtigen Sprecher:innen zuordnen (Wer sagt was?).
  • Ich kann Argumente nach pro und contra sortieren.
  • Ich kann zu einer Mobilitäts-Frage eine eigene Position formulieren und mit weil / ein Grund ist, dass … begründen.
  • Ich kann höflich auf ein Gegenargument reagieren.
  • Ich kann höfliche und hypothetische Sätze mit würde und könnte bilden.

Was bleibt offen? Notieren Sie in Ihrem Lernjournal einen Satz: Beim nächsten Mal möchte ich …

Hinweise für Lehrkräfte Link zu Überschrift

Zeitplan (45-Min-Einheit): Einstieg (Geschichte + Fragen) 6’ · Input (Hörtext vorlesen + Wortschatz + Grammatik + Landeskunde) 12’ · Üben (Aufgaben 1–4) 12’ · Anwenden (Kurzstellungnahme + Reaktion) 9’ · Prüfungsvorschau + Reflexion 6’.

Gruppierung. Einstiegsfragen zu zweit (schwächere Gruppen zu dritt). Für die Kurzstellungnahme gemischte Paare bilden, damit stärkere und schwächere Lernende voneinander profitieren. Die Zuordnungsaufgabe (Wer sagt was?) eignet sich gut als kurzer Wettbewerb in Kleingruppen.

Ablauf beim Hörtext. Zweimaliges Vorlesen empfehlenswert: beim ersten Mal nur zuhören (Globalverstehen), beim zweiten Mal mit den Aufgaben 1–2 (Detailverstehen). Für die Prüfungssimulation den Ausschnitt bewusst nur einmal vorlesen.

Binnendifferenzierung. Schwächere: offener Hörtext bei Aufgabe 1 und 4; Redemittel-Karten aus dem Baukasten für die Stellungnahme. Stärkere: Aufgaben 1–2 nur nach dem Hören, ohne Text; in der Stellungnahme mindestens einen wenn-Satz mit Konjunktiv II und eine höfliche Reaktion auf das Gegenargument verlangen.

Häufige Stolperfallen.

  • „Anwohner“ vs. „Einwohner“. Anwohner = an einer bestimmten Straße wohnen; Einwohner = Bewohner:in einer ganzen Stadt.
  • Konjunktiv II. Lernende sagen oft „wenn ich würde Rad fahren“. Richtig: „wenn ich Rad fahren würde“ — würde steht im Nebensatz am Ende.
  • Nebensatz-Verbstellung. Nach weil, obwohl, dass, wenn und im Relativsatz steht das konjugierte Verb ganz hinten.

Quellen Link zu Überschrift

Alle Sachinformationen zu Verkehr, Emissionen und Modal Split wurden aus den folgenden Quellen sinngemäß zusammengefasst (paraphrasiert), nicht wörtlich übernommen. Die Diskussionstexte sowie die Figuren (Kjell Baumann, Amina Mišić, Herr Tanner, Nihad Kovač) sind frei erfunden und original von S. Le Boulanger; Ähnlichkeiten mit realen Personen sind nicht beabsichtigt.

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Hören

Wortschatz, Dialoge und Texte dieser Einheit als Audio, gesprochen von einer muttersprachlichen Stimme. Der gesprochene Text steht jeweils darunter.

Dialog 1
Text anzeigen

Nihad (Moderation): Frau Mišić, Sarajevo hat noch keine
autofreie Innenstadt. Wäre so etwas bei uns überhaupt umsetzbar?
Amina Mišić: Technisch ja, politisch ist es kompliziert. In
den letzten Jahren haben wir in einigen Stadtteilen die
Fußgängerzonen erweitert. Aber das Entscheidende ist: Bevor man
die Autos rausnimmt, muss der öffentliche Verkehr funktionieren.
Sonst ist der Frust bei den Menschen riesig.
Kjell Baumann: Genau dieses Argument höre ich in Köln auch.
Wir sagen dann immer: Wir fangen mit einem Viertel an, dann
kommt das nächste. Inzwischen gibt es bei uns fünf
verkehrsberuhigte Quartiere. Nach sechs Monaten waren die
Anwohner:innen begeistert, weil die Kinder wieder auf der Straße
spielen konnten.
Herr Tanner: Das hört sich schön an, aber für uns Ältere ist
das Auto oft die einzige Möglichkeit, zum Arzt, zum Einkauf oder
zur Familie zu kommen. In Salzburg ist meine Bushaltestelle 800
Meter weg — und das bergauf. Ich frage mich: Wer denkt
eigentlich an uns?
Kjell Baumann: Das ist ein wichtiger Punkt, den man ernst
nehmen muss. Ich glaube auch nicht an die komplett autofreie
Stadt. Ich glaube an die fast autofreie Stadt, in der es klare
Ausnahmen gibt — für den Lieferverkehr, für den Rettungsdienst
und für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
Amina Mišić: Und man darf eines nicht vergessen: Viele
Fahrten in unseren Städten sind sehr kurz. Auf so kurzen Strecken
könnten viele Menschen aufs Rad umsteigen. Aber dafür brauchen
wir Radwege, die wirklich sicher sind.
Herr Tanner: Das stimmt, und ehrlich gesagt: Ich selbst würde
wieder Rad fahren, wenn ich mich trauen würde. Als junger Mann
bin ich jeden Tag mit dem Rad gefahren.
Nihad (Moderation): Also, wenn ich Sie richtig verstehe: Es
geht nicht um „Auto gegen Rad, sondern um gute Bedingungen für
alle. Vielen Dank — wir öffnen jetzt die Runde für Fragen aus dem
Publikum.

Wortschatz 1
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verkehrsberuhigt (Adj.) · die/der Anwohner:in · der Lieferverkehr · eingeschränkte Mobilität · umsetzbar (Adj.) · die Fußgängerzone · auf etwas umsteigen · der Radweg · die Öffis (ugs., Pl.) · klimafreundlich (Adj.)

Dialog 2
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Der Verkehr spielt beim Klima eine große Rolle. In Deutschland
stammt inzwischen rund ein Fünftel des ausgestoßenen
Kohlendioxids aus dem Verkehr; 1990 war dieser Anteil noch
deutlich kleiner. Der größte Teil davon entsteht auf der Straße.
Deshalb schauen viele Städte genau darauf, wie sich die Menschen
bewegen — das nennt man den Modal Split, also die Verteilung
der Wege auf Auto, Rad, öffentliche Verkehrsmittel und den Weg zu
Fuß.
Interessant ist, dass viele Autofahrten gar nicht weit sind: Für
kurze Strecken unter fünf Kilometern wird trotzdem sehr oft
das Auto genommen — bei mehr als vier von zehn dieser Fahrten.
Gerade hier sehen Fachleute ein großes Potenzial fürs Rad. Wie
viele Menschen wirklich radeln, hängt aber stark von der Stadt
ab: In manchen Regionen fährt nur ein kleiner Teil mit dem Rad,
in fahrradfreundlichen Städten dagegen ein deutlich größerer.
Sichere Radwege, gute Busse und Bahnen sowie kurze Wege im
Alltag entscheiden also mit darüber, ob eine autofreiere Stadt
überhaupt funktionieren kann.

Text 1
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Ich bin der Meinung, dass meine Stadt ein autofreies Viertel
braucht. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass viele Fahrten sehr
kurz sind — da könnte man leicht aufs Rad umsteigen. Man muss
aber auch bedenken, dass ältere Menschen das Auto brauchen.
Deshalb würde ich klare Ausnahmen machen. — *Gegenargument:
„Und wenn der Bus zu selten fährt?* — Das ist ein guter Punkt.
Da haben Sie recht: Zuerst müsste der Bus besser fahren, dann
könnte man das Viertel autofrei machen.

Wortschatz 2
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Position · Begründung · Struktur · Reaktion · Redefluss

Text 2
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Sie hören noch einmal einen Ausschnitt aus der Podiumsdiskussion.
Zu welcher Person passt jede Aussage? Ordnen Sie zu. Sie hören
den Text einmal. Schreiben Sie A (Amina Mišić),
K (Kjell Baumann) oder T (Herr Tanner).
1. Vor einer autofreien Zone muss der öffentliche Verkehr gut
funktionieren. → ____
2. Für ältere Menschen ist das Auto oft die einzige Verbindung
zu Arzt und Familie. → ____
3. Man sollte Schritt für Schritt vorgehen: erst ein Viertel,
dann das nächste. → ____
4. Für Lieferverkehr und Rettungsdienst braucht man klare
Ausnahmen. → ____
5. Viele kurze Fahrten könnten mit dem Rad gemacht werden. → ____
6. Unter sicheren Bedingungen würde ich selbst wieder Rad
fahren. → ____