GER-Stufe B1 · Goethe-Zertifikat B1 · Modul Hören
Note
Modell: Einstieg → Input → Üben → Anwenden → Reflexion · GER-Stufe: B1
Frau Dr. Susanne Lenz arbeitet als Hausärztin in einer Gemeinschaftspraxis in Leipzig-Plagwitz. Sie behandelt Menschen aus dem Stadtteil — oft mit Migrationshintergrund, oft mit knappem Deutsch. Heute ist sie zu Gast im Radio-Sachsen-Podcast „Sprechstunde”, der vor allem Laien erklärt, wie Gesundheits- systeme funktionieren. Thema der Folge: Krankenversicherung in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Vergleich.
Moderator: Willkommen zur „Sprechstunde”. Frau Dr. Lenz, Sie sehen in Ihrer Praxis viele Patient:innen, die aus Österreich oder der Schweiz zugezogen sind. Wo liegen die wichtigsten Unterschiede zwischen den drei Systemen?
Dr. Lenz: Die drei Länder sehen auf den ersten Blick ähnlich aus: Alle haben eine Krankenversicherungspflicht. Aber die Umsetzung ist verschieden. In Deutschland gibt es die gesetzliche und die private Krankenversicherung — rund 90 Prozent der Menschen sind gesetzlich versichert. Die Beiträge werden über den Lohn abgezogen, grob gesagt die Hälfte vom Arbeitnehmer, die Hälfte vom Arbeitgeber.
Moderator: Und in Österreich?
Dr. Lenz: In Österreich ist die Sozialversicherung stark mit dem Arbeitgeber verbunden. Wer angestellt ist, ist automatisch in einer Kasse — früher je nach Beruf, heute seit der Reform zusammengeführt in der ÖGK, der Österreichischen Gesundheitskasse.
Moderator: Die Schweiz gilt ja als das teuerste der drei Systeme.
Dr. Lenz: Ja, in der Schweiz zahlen alle eine monatliche Prämie direkt an eine private Versicherung — die Grundversicherung ist zwar gesetzlich festgelegt, aber man wählt die Kasse selbst. Eine Durchschnittsprämie für eine:n Erwachsene:n liegt bei rund 400 Franken im Monat, plus eine Eigenfranchise, die man jährlich selber zahlt, bevor die Versicherung übernimmt. Das schockiert viele, die aus Deutschland kommen.
Moderator: Stichwort Wartezeiten?
Dr. Lenz: In Deutschland gilt die 4-Wochen-Regel für Facharzttermine — die ist in der Theorie gut, in der Praxis oft knapp. In der Schweiz sind Termine meist schneller, kosten aber aus eigener Tasche bis zur Franchise. Österreich liegt dazwischen.
| Wort | Erklärung |
|---|---|
| Krankenversicherungspflicht | gesetzliche Pflicht, versichert zu sein |
| gesetzliche Krankenkasse | staatlich reguliertes Versicherungssystem (DE) |
| Prämie, die | monatlicher Beitrag an die Versicherung (CH-Sprachgebrauch) |
| Franchise, die | Eigenanteil, den man vor der Kostenübernahme selbst zahlt (CH) |
| 4-Wochen-Regel | maximale Wartezeit auf Facharzttermin in Deutschland |
Aufgabe 1 — Zuordnung (Hören Teil 4-Logik). Wer sagt was? Ordnen Sie die Aussagen dem Land zu (DE / AT / CH):
Aufgabe 2 — Sprachmittlung (Fachbegriff → Alltagssprache). Erklären Sie die folgenden Begriffe einer Person, die kein Gesundheitssystem-Vokabular hat (je 1 Satz):
Aufgabe 3 — Zahlen heraushören. Wie heißt die genannte Zahl?
Lösungen
Aufgabe 1. 1 = AT · 2 = DE · 3 = CH · 4 = DE.
Aufgabe 2. Beispielformulierungen:
Aufgabe 3. 1) rund 400 Franken · 2) 4 Wochen · 3) rund 90 Prozent.
Paar-Aufgabe. Partner:in A ist Patient:in und fragt nach dem System in einem der drei Länder. Partner:in B antwortet in drei Minuten. Wechseln Sie, wenn fertig.
Redemittel.
Aufgabenstellung: Sie hören noch einmal den Interview- Ausschnitt (Transkript siehe Input A). Ordnen Sie acht Aussagen den drei Ländern zu. Eine Aussage passt zu keinem der drei Länder (Distraktor).
Stimulus-Aussagen: