Einheit 4 — Gesundheitssystem im DACH-Raum

GER-Stufe B1 · Goethe-Zertifikat B1 · Modul Hören

S. Le Boulanger

Note

Modell: Einstieg → Input → Üben → Anwenden → Reflexion · GER-Stufe: B1

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Lernziele

  • kann ich aus einem Interview konkrete Informationen (Zahlen, Beträge, Wartezeiten) verstehen.
  • kann ich Fachbegriffe aus dem Gesundheitsbereich für Laien umformulieren.
  • kann ich drei Systeme (Deutschland / Österreich / Schweiz) vergleichen.

GER-Ausrichtung

  • Goethe-Modul: Hören — Teil 3 (Gespräche zwischen Muttersprachlern) und Teil 4 (Radiosendungen, Zuordnungs-aufgabe).
  • Zusätzlich: Sprachmittlung (B1-rezeptiv).

Einstiegsgeschichte

Frau Dr. Susanne Lenz arbeitet als Hausärztin in einer Gemeinschaftspraxis in Leipzig-Plagwitz. Sie behandelt Menschen aus dem Stadtteil — oft mit Migrationshintergrund, oft mit knappem Deutsch. Heute ist sie zu Gast im Radio-Sachsen-Podcast „Sprechstunde”, der vor allem Laien erklärt, wie Gesundheits- systeme funktionieren. Thema der Folge: Krankenversicherung in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Vergleich.

1. Einstieg

  • Wie ist das Gesundheitssystem in Ihrem Heimatland organisiert: staatlich, privat, Mischsystem?
  • Haben Sie schon einmal in einem anderen Land einen Arztbesuch gehabt? Was war überraschend?
  • Nennen Sie drei Wörter, die Ihnen zum Thema „Krankenversicherung” einfallen.

2. Input

A. Hörtext — Podcast-Interview (Transkript)

Moderator: Willkommen zur „Sprechstunde”. Frau Dr. Lenz, Sie sehen in Ihrer Praxis viele Patient:innen, die aus Österreich oder der Schweiz zugezogen sind. Wo liegen die wichtigsten Unterschiede zwischen den drei Systemen?

Dr. Lenz: Die drei Länder sehen auf den ersten Blick ähnlich aus: Alle haben eine Krankenversicherungspflicht. Aber die Umsetzung ist verschieden. In Deutschland gibt es die gesetzliche und die private Krankenversicherung — rund 90 Prozent der Menschen sind gesetzlich versichert. Die Beiträge werden über den Lohn abgezogen, grob gesagt die Hälfte vom Arbeitnehmer, die Hälfte vom Arbeitgeber.

Moderator: Und in Österreich?

Dr. Lenz: In Österreich ist die Sozialversicherung stark mit dem Arbeitgeber verbunden. Wer angestellt ist, ist automatisch in einer Kasse — früher je nach Beruf, heute seit der Reform zusammengeführt in der ÖGK, der Österreichischen Gesundheitskasse.

Moderator: Die Schweiz gilt ja als das teuerste der drei Systeme.

Dr. Lenz: Ja, in der Schweiz zahlen alle eine monatliche Prämie direkt an eine private Versicherung — die Grundversicherung ist zwar gesetzlich festgelegt, aber man wählt die Kasse selbst. Eine Durchschnittsprämie für eine:n Erwachsene:n liegt bei rund 400 Franken im Monat, plus eine Eigenfranchise, die man jährlich selber zahlt, bevor die Versicherung übernimmt. Das schockiert viele, die aus Deutschland kommen.

Moderator: Stichwort Wartezeiten?

Dr. Lenz: In Deutschland gilt die 4-Wochen-Regel für Facharzttermine — die ist in der Theorie gut, in der Praxis oft knapp. In der Schweiz sind Termine meist schneller, kosten aber aus eigener Tasche bis zur Franchise. Österreich liegt dazwischen.

B. Wortschatz

Wort Erklärung
Krankenversicherungspflicht gesetzliche Pflicht, versichert zu sein
gesetzliche Krankenkasse staatlich reguliertes Versicherungssystem (DE)
Prämie, die monatlicher Beitrag an die Versicherung (CH-Sprachgebrauch)
Franchise, die Eigenanteil, den man vor der Kostenübernahme selbst zahlt (CH)
4-Wochen-Regel maximale Wartezeit auf Facharzttermin in Deutschland

3. Üben

Aufgabe 1 — Zuordnung (Hören Teil 4-Logik). Wer sagt was? Ordnen Sie die Aussagen dem Land zu (DE / AT / CH):

  1. Die Krankenkasse ist seit einer Reform zentralisiert (ÖGK).
  2. Der Lohn wird je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer belastet.
  3. Man wählt die Krankenkasse selbst und zahlt eine monatliche Prämie plus Franchise.
  4. Rund 90 Prozent der Bevölkerung sind gesetzlich versichert.

Aufgabe 2 — Sprachmittlung (Fachbegriff → Alltagssprache). Erklären Sie die folgenden Begriffe einer Person, die kein Gesundheitssystem-Vokabular hat (je 1 Satz):

  • Eigenfranchise
  • Facharzttermin
  • gesetzliche Krankenversicherung

Aufgabe 3 — Zahlen heraushören. Wie heißt die genannte Zahl?

  1. Durchschnittsprämie in der Schweiz (pro Monat, Erwachsene).
  2. Zeitfenster der deutschen Facharzt-Regel.
  3. Anteil der gesetzlich Versicherten in Deutschland.

Lösungen

Aufgabe 1. 1 = AT · 2 = DE · 3 = CH · 4 = DE.

Aufgabe 2. Beispielformulierungen:

  • Eigenfranchise — „der Betrag, den man pro Jahr selbst bezahlt, bevor die Versicherung etwas übernimmt”.
  • Facharzttermin — „ein Termin bei einem Arzt oder einer Ärztin mit einem besonderen Fachgebiet, zum Beispiel Hautarzt oder Augenärztin”.
  • gesetzliche Krankenversicherung — „eine Versicherung, deren Regeln vom Staat festgelegt sind und zu der fast alle Arbeitnehmer:innen automatisch gehören”.

Aufgabe 3. 1) rund 400 Franken · 2) 4 Wochen · 3) rund 90 Prozent.

4. Anwenden

Paar-Aufgabe. Partner:in A ist Patient:in und fragt nach dem System in einem der drei Länder. Partner:in B antwortet in drei Minuten. Wechseln Sie, wenn fertig.

Redemittel.

  • Bei uns in … funktioniert das so, dass …
  • Der größte Unterschied liegt darin, dass …
  • Zahlen muss man …
  • Im Vergleich dazu ist in Deutschland …

5. Reflexion

Prüfungsbeispiel — Goethe B1 Hören, Teil 4 (Zuordnung)

Aufgabenstellung: Sie hören noch einmal den Interview- Ausschnitt (Transkript siehe Input A). Ordnen Sie acht Aussagen den drei Ländern zu. Eine Aussage passt zu keinem der drei Länder (Distraktor).

Stimulus-Aussagen:

  1. „Die Versicherten wählen ihre Kasse selbst.” → CH
  2. „Rund 90 Prozent sind gesetzlich versichert.” → DE
  3. „Ein Facharzttermin soll in vier Wochen möglich sein.” → DE
  4. „Es gibt eine Eigenfranchise, die pro Jahr zu zahlen ist.” → CH
  5. „Die Kassen wurden 2019 zur ÖGK zusammengeführt.” → AT
  6. „Beiträge werden hälftig auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt.” → DE
  7. „Die Wartezeiten liegen im Mittelfeld der drei Länder.” → AT
  8. „Alle drei Länder bezahlen den Arztbesuch komplett aus Steuergeldern.” → Distraktor (passt zu keinem).

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Häufige Stolperfallen

  • „Franchise” hat im CH-Deutschen eine andere Bedeutung als in anderen Sprachen (z. B. französisch franchise = Offenheit).
  • Prämie vs. Beitrag: Prämie ist CH-Sprachgebrauch, Beitrag eher DE.
  • ÖGK wird oft mit AOK verwechselt (andere Länder).

Weiterführende Materialien