Einheit 4 — Gesundheitssystem im DACH-Raum
Modell: Einstieg → Input → Üben → Anwenden → Reflexion · GER-Stufe: B1
Lernziele Link zu Überschrift
Am Ende dieser Einheit gilt für Sie:
- … kann ich Informationen in einem Interview zu Gesundheitsthemen im Detail verstehen — zum Beispiel Zahlen, Beträge und Wartezeiten.
- … kann ich Fachbegriffe aus dem Gesundheitsbereich in Alltagssprache umformulieren.
- … kann ich Unterschiede zwischen den Gesundheitssystemen in Deutschland, Österreich und der Schweiz erläutern.
Zusätzliches Sprachziel: Ich kann meine Meinung zu einem gesellschaftlichen Thema äußern und mit weil, dass oder obwohl begründen.
Einstieg Link zu Überschrift
Stellen Sie sich vor, Sie ziehen für die Arbeit von einem DACH-Land in ein anderes um. Am ersten Tag werden Sie krank. Sie gehen zur Ärztin — und plötzlich merken Sie: Vieles funktioniert anders, als Sie es kennen. In Deutschland zahlt oft die Krankenkasse fast alles direkt. In der Schweiz bekommen Sie zuerst eine Rechnung nach Hause. In Österreich brauchen Sie Ihre e-card. Drei Nachbarländer, eine gemeinsame Sprache — und drei ziemlich verschiedene Systeme.
Sprechen Sie zu zweit über diese Fragen:
- Wie ist das Gesundheitssystem in Ihrem Heimatland organisiert: eher staatlich, eher privat oder ein Mischsystem?
- Haben Sie schon einmal in einem anderen Land eine Ärztin oder einen Arzt besucht? Was war für Sie überraschend?
- Nennen Sie drei Wörter, die Ihnen zum Thema „Krankenversicherung“ einfallen, und erklären Sie eines davon.
Input Link zu Überschrift
A. Wortschatz Link zu Überschrift
| Wort | Erklärung |
|---|---|
| die Krankenversicherungspflicht | die gesetzliche Pflicht, versichert zu sein |
| die gesetzliche Krankenkasse | ein vom Staat reguliertes Versicherungssystem (typisch für DE) |
| der Beitrag, ¨-e | das Geld, das man regelmäßig an die Versicherung zahlt (DE/AT) |
| die Prämie, -n | der monatliche Betrag an die Kasse (so sagt man in der Schweiz) |
| die Franchise, -n | der Betrag, den man pro Jahr zuerst selbst zahlt, bevor die Kasse übernimmt (CH) |
| der Selbstbehalt, -e | ein Teil der Kosten, den man auch nach der Franchise selbst trägt |
| der Facharzttermin, -e | ein Termin bei einer Ärztin mit einem Spezialgebiet (z. B. Augen) |
| solidarisch finanziert | alle zahlen gemeinsam; Gesunde helfen Kranken |
B. Grammatik im Fokus — Vergleichen und begründen Link zu Überschrift
1. Über die Vergangenheit sprechen: Perfekt und Präteritum. Im Gespräch benutzen wir meist das Perfekt, in Texten und bei Reformen oft das Präteritum.
- Die Kassen wurden 2019 zusammengeführt. (Präteritum)
- Ich habe in der Schweiz eine Rechnung bekommen. (Perfekt)
2. Höflich und hypothetisch: Konjunktiv II (würde / könnte).
- Ich würde gern die Kasse wechseln.
- Man könnte eine höhere Franchise wählen, dann wäre die Prämie niedriger.
3. Nebensätze zum Begründen und Verbinden. Das Verb steht am Ende.
- Viele wählen eine hohe Franchise, weil die Prämie dann niedriger ist.
- Ich finde gut, dass alle versichert sein müssen.
- Obwohl die Schweiz teuer ist, sind die Wartezeiten oft kürzer.
- Ein Facharzttermin, der in vier Wochen möglich sein soll, ist in der Praxis oft schwer zu bekommen. (Relativsatz)
C. Hörtext (zum Vorlesen) — Podcast „Sprechstunde“ Link zu Überschrift
Die Lehrkraft liest den Text zweimal langsam vor. Beim ersten Mal hören die Lernenden nur zu, beim zweiten Mal machen sie Notizen.
Moderator: Willkommen zur „Sprechstunde“. Heute geht es um die Krankenversicherung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Frau Dr. Lenz, wo liegen die größten Unterschiede?
Dr. Lenz: Auf den ersten Blick sehen die drei Länder ähnlich aus, denn überall gibt es eine Versicherungspflicht. Aber die Umsetzung ist verschieden. In Deutschland sind rund neunzig Prozent der Menschen gesetzlich versichert. Die Beiträge hängen vom Einkommen ab, und Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen sie ungefähr je zur Hälfte.
Moderator: Und in Österreich?
Dr. Lenz: In Österreich ist der Beitrag ebenfalls vom Einkommen abhängig — aktuell etwa 7,65 Prozent, wieder etwa halbe-halbe zwischen Betrieb und beschäftigter Person. Früher gab es viele Kassen je nach Beruf. Seit 2019 wurden sie in der ÖGK zusammengeführt, also in der Österreichischen Gesundheitskasse.
Moderator: Die Schweiz gilt als das teuerste System.
Dr. Lenz: Ja. In der Schweiz zahlt man keine Beiträge nach Einkommen, sondern eine feste Prämie pro Kopf. Je nach Region liegt sie ungefähr zwischen 230 und 430 Franken im Monat. Dazu kommt die Franchise: Erwachsene zahlen die ersten 300 Franken pro Jahr selbst, und man kann freiwillig eine höhere Franchise bis 2500 Franken wählen. Wer das tut, zahlt eine niedrigere Prämie, trägt aber mehr Risiko.
Moderator: Und danach ist alles bezahlt?
Dr. Lenz: Nicht ganz. Nach der Franchise kommt noch ein Selbstbehalt von zehn Prozent, maximal 700 Franken im Jahr. Das überrascht viele, die aus Deutschland zuziehen.
D. Kontext (recherchiert und mit Quelle) Link zu Überschrift
Deutschland und Österreich finanzieren ihre Krankenversicherung solidarisch und einkommensabhängig: Wer mehr verdient, zahlt einen höheren Beitrag. Die Schweiz dagegen arbeitet mit Kopfprämien, die nicht vom Einkommen abhängen; Menschen mit niedrigem Einkommen bekommen dafür staatliche Zuschüsse (nach Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste 2024; Bundesamt für Gesundheit BAG). In der Schweiz gilt seit dem Krankenversicherungsgesetz von 1996 für alle Einwohner:innen eine Pflicht zur Grundversicherung, und jede zugelassene Kasse muss alle Personen aufnehmen — unabhängig von Alter oder Gesundheit (nach Bundesamt für Gesundheit BAG).
Üben Link zu Überschrift
Aufgabe 1 — Zuordnung (Logik von Hören, Teil 4). Ordnen Sie jede Aussage einem Land zu: DE, AT oder CH.
- Die Kassen wurden 2019 in einer zentralen Kasse (ÖGK) zusammengeführt.
- Rund neunzig Prozent der Bevölkerung sind gesetzlich versichert.
- Man zahlt eine feste Prämie pro Kopf plus eine jährliche Franchise.
- Der Beitrag beträgt aktuell etwa 7,65 Prozent des Einkommens.
Aufgabe 2 — Zahlen heraushören. Notieren Sie die Zahl aus dem Hörtext.
- Standard-Franchise für Erwachsene in der Schweiz (pro Jahr).
- Maximaler Selbstbehalt in der Schweiz (pro Jahr).
- Ungefährer Anteil der gesetzlich Versicherten in Deutschland.
Aufgabe 3 — Sprachmittlung (Fachbegriff → Alltagssprache). Erklären Sie die Begriffe einer Person ohne Fachwissen in je einem Satz. Benutzen Sie einen Relativsatz mit der/die/das.
- die Franchise
- der Facharzttermin
- die gesetzliche Krankenversicherung
Aufgabe 4 — Meinung mit Begründung. Ergänzen Sie die Sätze frei und benutzen Sie weil, dass oder obwohl.
- Ich finde das deutsche System gut/schlecht, weil …
- Ich glaube, dass eine hohe Franchise …
- Obwohl die Schweiz teuer ist, …
Niveau-Differenzierung.
- Leichter (A2+/B1): Aufgabe 3 mit einem Hauptsatz statt eines Relativsatzes; den Hörtext beim zweiten Mal mitlesen.
- Schwerer (B1+): In Aufgabe 4 jeden Satz mit einem zweiten Argument (außerdem …) erweitern.
Lösungen
Aufgabe 1. 1 = AT · 2 = DE · 3 = CH · 4 = AT.
Aufgabe 2. 1) 300 Franken · 2) 700 Franken · 3) rund 90 Prozent.
Aufgabe 3. Beispielformulierungen:
- die Franchise — „der Betrag, den man pro Jahr zuerst selbst zahlt, bevor die Kasse die Kosten übernimmt.“
- der Facharzttermin — „ein Termin bei einer Ärztin, die ein Spezialgebiet hat, zum Beispiel Augen oder Haut.“
- die gesetzliche Krankenversicherung — „eine Versicherung, deren Regeln der Staat festlegt und zu der fast alle Arbeitnehmer:innen automatisch gehören.“
Aufgabe 4. Individuelle Lösungen. Bewertungskriterien: Der Nebensatz ist korrekt gebildet (Verb am Ende), die Begründung passt inhaltlich zur Meinung.
Anwenden Link zu Überschrift
Rollenspiel zu zweit — „Beratungsgespräch“.
Partner:in A ist gerade aus einem der drei Länder in ein anderes umgezogen und stellt Fragen (Was kostet das? Wer zahlt? Wie schnell bekomme ich einen Termin?). Partner:in B erklärt das System des neuen Landes in etwa drei Minuten. Danach tauschen Sie die Rollen und ein anderes Land.
Redemittel.
- Bei uns in … funktioniert das so, dass …
- Der größte Unterschied liegt darin, dass …
- Selbst zahlen muss man …, weil …
- Im Vergleich dazu ist es in Deutschland …
- Ich würde dir raten, …
Bewertungskriterien.
- Inhalt: mindestens drei korrekte Fakten zum System (Beitrag/ Prämie, Träger, Wartezeit).
- Sprache: mindestens zwei Nebensätze (weil/dass/obwohl) und eine Konjunktiv-II-Form (würde/könnte).
- Sprachmittlung: mindestens ein Fachbegriff in Alltagssprache erklärt.
Prüfung — GER B1 Hören, Teil 4 (Zuordnung) Link zu Überschrift
Aufgabenstellung: Die Lehrkraft liest den Hörtext (Abschnitt C) noch einmal vor. Ordnen Sie die acht Aussagen den drei Ländern zu: DE, AT oder CH. Eine Aussage passt zu keinem Land (Distraktor). Pro Aussage kreuzen Sie genau ein Feld an.
| Nr. | Aussage | DE | AT | CH |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Die Versicherten wählen ihre Kasse selbst und zahlen eine Prämie. | ☐ | ☐ | ☐ |
| 2 | Rund neunzig Prozent sind gesetzlich versichert. | ☐ | ☐ | ☐ |
| 3 | Der Beitrag liegt aktuell bei etwa 7,65 Prozent des Einkommens. | ☐ | ☐ | ☐ |
| 4 | Es gibt eine Franchise, die man pro Jahr zuerst selbst zahlt. | ☐ | ☐ | ☐ |
| 5 | Die Kassen wurden 2019 zur ÖGK zusammengeführt. | ☐ | ☐ | ☐ |
| 6 | Beiträge werden ungefähr je zur Hälfte auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer verteilt. | ☐ | ☐ | ☐ |
| 7 | Nach der Franchise zahlt man noch zehn Prozent Selbstbehalt. | ☐ | ☐ | ☐ |
| 8 | Alle drei Länder bezahlen jeden Arztbesuch komplett aus Steuergeldern. | ☐ | ☐ | ☐ |
Punkte-Rubrik (max. 8 Punkte).
| Kriterium | Punkte |
|---|---|
| Aussagen 1–7 richtig zugeordnet (je 1 Punkt) | 0–7 |
| Distraktor (Nr. 8) korrekt als „kein Land“ erkannt | 0–1 |
Bestehen: ab 5 von 8 Punkten.
Lösung Prüfung
1 = CH · 2 = DE · 3 = AT · 4 = CH · 5 = AT · 6 = DE/AT (beide akzeptiert, da im Hörtext für DE genannt und für AT „wieder halbe-halbe“) · 7 = CH · 8 = Distraktor (kein Land — die drei Systeme finanzieren sich über Beiträge bzw. Prämien, nicht rein aus Steuern).
Reflexion Link zu Überschrift
- Ich kann dem Interview-Teil zur Schweiz im Detail folgen.
- Ich kann drei Fachbegriffe in eigenen Worten erklären.
- Ich kann die drei Systeme in jeweils zwei Sätzen vergleichen.
- Ich kann meine Meinung mit weil, dass oder obwohl begründen.
- Ich kann eine höfliche/hypothetische Aussage mit würde/könnte bilden.
Hinweise für Lehrkräfte Link zu Überschrift
Zeitplan (45 Minuten).
| Phase | Zeit | Sozialform |
|---|---|---|
| Einstieg | 6' | Partnerarbeit |
| Input A–D | 12' | Plenum + Vorlesen |
| Üben 1–4 | 15' | Einzel- → Partnerarbeit |
| Anwenden | 9' | Rollenspiel (Paare) |
| Reflexion | 3' | Einzelarbeit |
Vorlesen des Hörtexts. Zweimal langsam vorlesen. Beim ersten Durchgang schließen die Lernenden die Hefte und hören nur zu; beim zweiten Durchgang notieren sie Zahlen und Länder. Für die Prüfungsaufgabe (Teil 4) ein drittes Mal in kurzen Abschnitten lesen.
Gruppierung. Für das Rollenspiel gemischte Paare bilden (stärker + schwächer). Wer schnell fertig ist, übernimmt ein zweites Land.
Differenzierung.
- Unterstützung: Transkript (Abschnitt C) als Mitlesehilfe austeilen; Wortschatztabelle sichtbar lassen.
- Herausforderung: Zusätzlich den Begriff solidarisch finanziert selbst definieren lassen und eine vierte Aussage für die Zuordnungsaufgabe erfinden.
Häufige Stolperfallen.
- Franchise (CH) bedeutet hier „Selbstzahler-Betrag“, nicht „Geschäftslizenz“ oder franz. franchise = Offenheit.
- Prämie (CH) ≠ Beitrag (DE/AT); beide meinen das regelmäßige Geld an die Kasse, aber der Berechnungsweg ist verschieden (Kopfprämie vs. einkommensabhängig).
- ÖGK (AT) wird leicht mit AOK (DE) verwechselt.
Landeskundlicher Hinweis. Die genauen Zahlen (Prämienhöhen, Beitragssätze) ändern sich jährlich. Die hier genannten Werte stammen aus den Quellen und dienen dem Verständnis der Struktur, nicht als tagesaktuelle Beratung.
Quellen Link zu Überschrift
- Gesundheitssysteme im Vergleich — Finanzierung der Krankenversicherung — Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste (2024). https://www.bundestag.de/resource/blob/1055852/e36ca984acf8ee6f76cc9dd1c68b0c26/WD-8-092-24-pdf.pdf · Lizenz: © Deutscher Bundestag, Nutzung für nicht-kommerzielle, wissenschaftliche/lehrende Zwecke mit Quellenangabe (amtliches Werk, § 5 UrhG — gemeinfrei); Fakten paraphrasiert.
- Prämien und Kosten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP): häufige Fragen — Bundesamt für Gesundheit BAG, Schweiz (o. J., abgerufen 2026). https://www.bag.admin.ch/de/praemien-und-kosten-antworten-auf-haeufige-fragen · Lizenz: amtliche Information des Bundes, gemeinfrei; Fakten paraphrasiert.
- Krankenkassen-Systeme im Ländervergleich — SWI swissinfo.ch (öffentlich-rechtlich). https://www.swissinfo.ch/ger/krankenkassen-systeme-im-laendervergleich/5738618 · Lizenz: urheberrechtlich geschützt; nur als Hintergrund konsultiert, ausschließlich Fakten paraphrasiert, kein Text übernommen.
Alle Texte dieser Einheit (Hörtext, Aufgaben, Redemittel) sind Originalformulierungen der Autorin. Aus den oben genannten Quellen wurden nur Sachinformationen paraphrasiert; es wurde kein geschützter Text kopiert.
Downloads
Hören
Wortschatz, Dialoge und Texte dieser Einheit als Audio, gesprochen von einer muttersprachlichen Stimme. Der gesprochene Text steht jeweils darunter.
Text anzeigen
die Krankenversicherungspflicht · die gesetzliche Krankenkasse · der Beitrag, ¨-e · die Prämie, -n · die Franchise, -n · der Selbstbehalt, -e · der Facharzttermin, -e · solidarisch finanziert
Text anzeigen
*Die Lehrkraft liest den Text zweimal langsam vor. Beim ersten
Mal hören die Lernenden nur zu, beim zweiten Mal machen sie
Notizen.*
Text anzeigen
1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8
Text anzeigen
Einstieg · Input A–D · Üben 1–4 · Anwenden · Reflexion

