Einheit 3 — Weiterbildung und Studium

GER-Stufe B1 · Goethe-Zertifikat B1 · Modul Lesen

S. Le Boulanger

Note

Modell: Einstieg → Input → Üben → Anwenden → Reflexion · GER-Stufe: B1

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Lernziele

  • kann ich in einem Text zu Weiterbildung gezielt Detail- informationen finden.
  • kann ich zwei Bildungswege stichwortartig vergleichen.
  • kann ich über meine eigenen Weiterbildungspläne sprechen.

GER-Ausrichtung

  • Kompetenz: Leseverstehen B1, selektiv und detailliert.
  • Goethe-Modul: Lesen — Teil 5 (Schriftliche Anweisungen / Studienordnungen) und Teil 3 (Zur Orientierung lesen).
  • Zusätzlich rezeptiv: Hören-Teil 2 als Kontextübung.

Einstiegsgeschichte

Noa Rosselli, 22, aus Rom, ist seit drei Monaten mit Erasmus+ an der Universität Wien. Ursprünglich hat sie Deutsch nur als Nebenfach belegt — jetzt überlegt sie, ob sie nach dem Erasmus ein komplettes Masterstudium auf Deutsch machen soll. Drei Wege stehen im Raum:

  1. ein regulärer Master in Übersetzungswissenschaft an der Universität Wien,
  2. eine berufsbegleitende Weiterbildung in Mediation und Fachübersetzung an der Donau-Universität Krems,
  3. ein Kurzprogramm „Wissenschaftskommunikation” am ÖAW-Institut.

Heute liest sie die Studienordnungen und vergleicht.

1. Einstieg

  • Haben Sie nach der Schule / dem ersten Studium noch eine Weiterbildung gemacht? Oder denken Sie daran?
  • Was ist Ihnen bei einer Weiterbildung wichtiger — Kosten, Dauer, Renommee, Flexibilität, Ortsnähe? Ranken Sie die fünf.
  • Wenn Sie jetzt drei Monate freie Zeit für eine Weiterbildung hätten, welches Thema würden Sie wählen?

2. Input

A. Auszug aus einer Studienordnung

§ 3 Zugangsvoraussetzungen

  1. Zum Masterstudium Übersetzungswissenschaft wird zugelassen, wer einen einschlägigen Bachelorabschluss oder einen gleichwertigen Abschluss nachweist.

  2. Darüber hinaus sind folgende Sprachnachweise zu erbringen: Deutsch mindestens auf dem Niveau C1 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens, sowie Kenntnisse in mindestens einer weiteren modernen Fremdsprache auf Niveau B2.

  3. Bewerbende mit einer anderen Erstsprache als Deutsch weisen ihre Sprachkompetenz durch ein anerkanntes Zertifikat (z. B. Goethe-Zertifikat C1, DSH-2, TestDaF 4×5) nach.

§ 4 Studiendauer

  1. Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester.

  2. Das Studium kann im Wintersemester oder im Sommersemester aufgenommen werden.

  3. Das Teilzeitstudium ist möglich; die Regelstudienzeit verlängert sich entsprechend, maximal um die Hälfte.

B. Kurzbeschreibung einer Weiterbildung (original)

Mediation und Fachübersetzung — Universitätslehrgang an der Donau-Universität Krems.

Sie arbeiten bereits als Übersetzer:in oder in einer sprachmittelnden Tätigkeit und möchten sich auf Fachtexte (Recht, Medizin, Wirtschaft) spezialisieren? Dieser berufsbegleitende Lehrgang bietet Ihnen in fünf Modulen über 18 Monate die methodische und terminologische Vertiefung, die der Berufsalltag verlangt.

Zulassung: einschlägiger Bachelorabschluss + mindestens zwei Jahre Berufserfahrung. Umfang: 60 ECTS. Kosten: 8 400 € gesamt.

C. Wortschatz zum Thema

Wort Erklärung
einschlägig (adj.) zum Thema passend (z. B. einschlägiger Abschluss)
Regelstudienzeit, die vorgesehene Dauer eines Studiengangs
berufsbegleitend (adj.) parallel zum Beruf
Teilzeitstudium, das Studium mit reduzierter Stundenzahl
Sprachnachweis, der Dokument, das Sprachkenntnisse belegt

3. Üben

Aufgabe 1 — Richtig oder falsch? Zum Text A (Studien- ordnung):

  1. Man braucht einen Bachelor-Abschluss zum gleichen Thema.
  2. Deutsch auf B2 reicht aus.
  3. Man kann auch im Sommer anfangen.
  4. Ein Teilzeitstudium ist nicht erlaubt.

Aufgabe 2 — Informationen suchen. Zum Text B (Donau-Uni Krems):

  • Wie lange dauert der Lehrgang?
  • Was kostet er?
  • Welche Berufserfahrung wird verlangt?
  • In wie viele Module ist er gegliedert?

Aufgabe 3 — Textsorte erkennen. Welcher Text ist offiziell-rechtlich (Studienordnung), welcher ist werblich (Informationsbroschüre)? Woran erkennen Sie das — an der Syntax, am Vokabular, an der Ansprache?

Lösungen

Aufgabe 1.

  1. Richtig. „einschlägiger Bachelorabschluss”.
  2. Falsch. Deutsch C1 ist verlangt.
  3. Richtig. „kann im Wintersemester oder im Sommersemester aufgenommen werden”.
  4. Falsch. „Das Teilzeitstudium ist möglich”.

Aufgabe 2.

  • 18 Monate.
  • 8 400 € (gesamt).
  • mindestens zwei Jahre einschlägige Berufserfahrung.
  • fünf Module.

Aufgabe 3.

  • Text A (Studienordnung) ist offiziell-rechtlich: Paragrafen, Passivkonstruktionen, keine direkte Ansprache, Nominalstil (Zulassung, Nachweis).
  • Text B (Donau-Uni Krems) ist werblich: direkte Ansprache („Sie arbeiten bereits …“), rhetorische Fragen, Adjektive methodisch / terminologisch mit positiver Konnotation.

4. Anwenden

Sprechimpuls: Stellen Sie sich vor, Sie sind Noa. Sie haben nur noch zwei Tage, um sich zu entscheiden. Wählen Sie einen der drei Wege (Master / Donau-Uni / ÖAW) und begründen Sie Ihre Wahl in einem zweiminütigen Monolog. Benutzen Sie die Konnektoren:

  • deshalb / deswegen / darum (begründend),
  • hingegen / dagegen / im Gegensatz dazu (vergleichend),
  • zwar … aber (einschränkend).

5. Reflexion

Prüfungsbeispiel — Goethe B1 Lesen, Teil 5

Aufgabe: Sie lesen die folgende Ordnung und beantworten 4 Fragen durch Mehrfachauswahl (3-gliedrig).

§ 2 Ablauf des Zertifikatslehrgangs

  1. Der Lehrgang besteht aus fünf Modulen. Die Module werden in der Reihenfolge 1 → 5 absolviert; Ausnahmen bedürfen der schriftlichen Genehmigung der Lehrgangsleitung.

  2. Jedes Modul schließt mit einer Modulprüfung ab. Die Anmeldung zur Modulprüfung erfolgt online bis spätestens 14 Tage vor dem Prüfungstermin.

  3. Abwesenheit bei einer Modulprüfung wird nur bei nachgewiesener Erkrankung (ärztliches Attest) oder in anderen schwerwiegenden Fällen akzeptiert.

  1. Die fünf Module … a) können in beliebiger Reihenfolge absolviert werden · b) sind in einer festen Reihenfolge zu absolvieren · c) werden nur alle zwei Jahre angeboten.
  2. Die Anmeldung zur Modulprüfung … a) ist direkt vor Ort möglich · b) erfolgt per Post · c) erfolgt online bis 14 Tage vor dem Prüfungstermin.
  3. Wer unentschuldigt fehlt … a) bekommt einen neuen Termin angeboten · b) bekommt die Prüfung nicht anerkannt · c) wird automatisch vom Lehrgang ausgeschlossen.
  4. Ein ärztliches Attest … a) wird nicht akzeptiert · b) ist ausreichend, um eine Abwesenheit zu entschuldigen · c) muss drei Wochen im Voraus vorgelegt werden.

Lösungen Prüfungsbeispiel

  1. b · 2. c · 3. b (implizit aus „nur … akzeptiert”) · 4. b.

Downloads

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Häufige Stolperfallen

  • „einschlägig” erkennen B1-Lerner:innen oft nicht. Hinweis: einschlägige Erfahrung, einschlägiges Studium = zum Thema passend.
  • Nominalstil in Paragrafen („die Zulassung erfolgt”) ist für B1-Lerner:innen schwer. Tipp: innerlich verbalisieren („jemand lässt zu”).
  • Modalverben in der Passiv-Ersatzform: „ist zu erbringen” = „muss erbracht werden”. Auf C1 aktiv, auf B1 rezeptiv.

Weiterführende Materialien