GER-Stufe B1 · Goethe-Zertifikat B1 · Modul Sprechen
Note
Modell: Einstieg → Input → Üben → Anwenden → Reflexion · GER-Stufe: B1
Am Ende dieser Einheit …
Milos Kovač, 34, Maschinenbauingenieur. Geboren in Sarajevo, aufgewachsen in Tuzla. Seit sechs Jahren pendelt er zwischen Bosnien und der Schweiz: Montagmorgen um halb fünf sitzt er im Bus nach Basel, Freitagabend im Bus zurück. Er arbeitet in einem kleinen Ingenieurbüro in Basel-Stadt, das Spezialmaschinen für die Pharmaindustrie konstruiert. Die Arbeit gefällt ihm, das Pendeln nicht mehr.
Letzten Monat hat Milos beschlossen, ganz in die Schweiz zu ziehen. Seine Frau Anisa bleibt noch ein Jahr in Tuzla — sie schreibt ihre Dissertation in Pädagogik zu Ende — und folgt dann nach. Heute ist Milos’ erster Arbeitstag als vollständiger Einwohner von Basel, nicht nur als Pendler. Er hat eine kleine Wohnung in Kleinbasel, einen Fahrradschlüssel, eine Aufenthaltsbewilligung, und ein ungutes Gefühl im Magen.
Aktivieren Sie Ihr Vorwissen.
Tipp für den Unterricht: Lassen Sie die Gruppe diese Fragen zu zweit diskutieren, je 3 Minuten. Auf der Tafel sammeln: „Was hilft beim Neuanfang im Beruf?“
Milos hat sich entschlossen, seine Erfahrungen auf einem Online-Forum für DaF-Lernende zu teilen. Der folgende Text stammt aus einem Forumsbeitrag, den er dort veröffentlicht hat.
Seit sechs Jahren fahre ich Montag um vier Uhr siebenundzwanzig mit dem Bus nach Basel. Ich sitze immer rechts hinten, weil da der Platz für die Beine am größten ist, und ich bin ein langer Mensch. Am Anfang habe ich geglaubt, das Pendeln ist eine Übergangslösung. Zwei Jahre, dachte ich, dann ziehen wir alle um. Aber meine Frau hatte ihre Doktorarbeit gerade angefangen, und dann kam die Pandemie, und dann wollten die Schwiegereltern nicht alleine sein — und plötzlich waren sechs Jahre vorbei.
Was habe ich in diesen sechs Jahren gelernt? Drei Dinge.
Erstens: Die Sprache vor Ort macht einen echten Unterschied. Schweizerdeutsch kann ich nicht sprechen, aber inzwischen verstehe ich viel mehr als früher. Meine Kolleg:innen in Basel sprechen Hochdeutsch mit mir, aber in der Kantine, im Tram und beim Bäcker um die Ecke gilt Mundart. Wer nicht wenigstens passiv mit Schweizerdeutsch klarkommt, bleibt Gast.
Zweitens: Fachwissen ist universeller als Sprache. Wenn ich mit einem Konstruktionszeichnungsprogramm arbeite oder eine Maschine teste, verstehen mich die Kolleg:innen sofort. Aber wenn ich mich im Small Talk über das Wetter oder Fussball nicht sicher fühle, wirke ich plötzlich wieder wie ein Anfänger.
Drittens: Man muss beide Länder festhalten. Ich lebe nicht mehr ganz in Bosnien und noch nicht ganz in der Schweiz. Das war lange schwierig, inzwischen finde ich es sogar bereichernd: Ich sehe beides von außen. Und ich weiß jetzt, wie sich ein Amtsbesuch in Basel-Stadt anfühlt, wenn man nur den Basler Dialekt kennt und man selber aus Tuzla kommt. So etwas lernt man in keinem Kurs.
Ab heute bin ich kein Pendler mehr. Meine Wohnung liegt in Kleinbasel, mein Fahrradschlüssel klirrt in der Jackentasche, und meine Frau kommt in einem Jahr. Wenn jemand von euch auch gerade zwischen zwei Ländern schwankt: Haltet durch. Der Tag, an dem man ankommt, kommt.
| Wort / Ausdruck | Erklärung / Beispiel |
|---|---|
| pendeln | regelmäßig zwischen zwei Orten hin- und herfahren |
| Übergangslösung, die | eine vorläufige Lösung, bis es eine bessere gibt |
| passiv (+ mit X) klarkommen | etwas verstehen, ohne es selbst sprechen zu müssen |
| Mundart, die | regionaler Dialekt, hier: Schweizerdeutsch |
| Small Talk, der | lockeres Alltagsgespräch |
| Aufenthaltsbewilligung, die | Dokument, das erlaubt, in einem Land zu wohnen |
Aufgabe 1 — Richtig oder falsch? Lesen Sie den Forumsbeitrag noch einmal und entscheiden Sie, ob die Aussagen zu Milos’ Text passen.
Aufgabe 2 — Wortschatz in Kontext. Setzen Sie die passenden Wörter aus der Liste oben ein.
Lösungen
Aufgabe 1 — Richtig/Falsch.
Aufgabe 2 — Wortschatz in Kontext.
Sprechimpuls — Ihre eigene Berufsgeschichte.
Bereiten Sie in 5 Minuten eine kurze mündliche Vorstellung vor:
Arbeitsform: Erzählen Sie Ihrer Nachbarin / Ihrem Nachbarn ca. zwei Minuten lang. Danach bekommen Sie eine Rückfrage, die Sie kurz beantworten.
Mögliche Redemittel (B1):
Beispiel-Antwort auf Zielniveau (B1):
Ich heiße Sanela und arbeite seit zwei Jahren als Krankenschwester in einem Kantonsspital in Bern. Davor habe ich in Sarajevo studiert und ein Jahr in einem kleinen Krankenhaus gearbeitet. Was mir hier in Bern gefällt, ist die Teamarbeit. Schwierig finde ich die Schichtarbeit. In drei Jahren möchte ich eine Weiterbildung in Intensivpflege machen.
Haken Sie ab, was Sie nach dieser Einheit können:
Was bleibt offen? Notieren Sie in Ihrem Lernjournal einen Satz: Beim nächsten Mal möchte ich …
Warning
Formal orientiert am offiziellen B1-Sprechen-Modul (Vortrag + Feedback). Keine Reproduktion echter Goethe-Modellsatz-Aufgaben — Stimulus und Struktur sind original.
Aufgabenstellung (verbatim für Prüfungs-PDF):
Teil 2 — Präsentation. Wählen Sie eines der folgenden Themen und bereiten Sie einen Kurzvortrag (ca. 3 Minuten) vor. Gliedern Sie Ihren Vortrag in fünf Folien:
- Einleitung / persönlicher Bezug zum Thema.
- Der Hauptteil: Beispiele und Erfahrungen.
- Die Situation in meinem Land / meiner Region.
- Vor- und Nachteile aus meiner Sicht.
- Abschluss / Ausblick.
Thema A: Arbeiten in einem anderen Land — ist das für junge Erwachsene heute eine gute Idee?
Thema B: Wenn Kolleg:innen eine andere Muttersprache haben — wie funktioniert die Zusammenarbeit am besten?
Teil 3 — Feedback und Rückfrage. Nachdem Ihre Partnerin / Ihr Partner präsentiert hat, geben Sie eine kurze Rückmeldung und stellen eine Frage zum Vortrag.
Bewertungskriterien (siehe auch _resources/goethe_format_b1.yml):
Erwartungshorizont (Auszug, Thema A)
Ein gutes B1-Niveau würde für Thema A mindestens enthalten:
Typische Schwächen auf B1: reine Aufzählung ohne Konnektoren; keine Ich-Perspektive; Wiederholung statt Variation im Wortschatz.