Einheit 1 — Neuanfang in Basel

Modell: Einstieg → Input → Üben → Anwenden → Reflexion · GER-Stufe: B1

Lernziele Link zu Überschrift

Am Ende dieser Einheit …

  • kann ich einen Erfahrungsbericht über das Arbeiten im Ausland in seinen Hauptaussagen verstehen.
  • kann ich über meine eigenen Berufserfahrungen zusammenhängend erzählen — was ich mache, wo ich gearbeitet habe und was ich gut finde.
  • kann ich eine kurze Präsentation zu meinem Berufsweg halten und auf Rückfragen reagieren.
  • kann ich wichtige Alltagswörter zum Thema „Ankommen und Einleben“ richtig verwenden.
  • kann ich über das Vergangene mit Perfekt und seit + Dativ sprechen.

GER-Ausrichtung Link zu Überschrift

  • Kompetenzbereich: Mündliche Produktion / Interaktion (selbstständige Sprachverwendung, B1).
  • Prüfungsmodul dieser Einheit: Sprechen — Teil 2 (Präsentation zu einem Thema anhand von fünf Folien) und Teil 3 (Feedback und situationsadäquate Reaktion).
  • Zusätzlich rezeptives Gerüst: Leseverstehen auf B1-Niveau (Erfahrungsbericht, ca. 280 Wörter; Dialog, ca. 140 Wörter).

Einstieg Link zu Überschrift

Einstiegsgeschichte Link zu Überschrift

Milos Kovač, 34, Maschinenbauingenieur. Geboren in Sarajevo, aufgewachsen in Tuzla. Seit sechs Jahren pendelt er zwischen Bosnien und der Schweiz: Montagmorgen um halb fünf sitzt er im Bus nach Basel, Freitagabend im Bus zurück. Er arbeitet in einem kleinen Ingenieurbüro in Basel-Stadt, das Spezialmaschinen für die Pharmaindustrie baut. Die Arbeit gefällt ihm, das Pendeln nicht mehr.

Letzten Monat hat Milos beschlossen, ganz in die Schweiz zu ziehen. Seine Frau Anisa bleibt noch ein Jahr in Tuzla — sie schreibt ihre Dissertation in Pädagogik zu Ende — und kommt dann nach. Heute ist Milos’ erster Tag als richtiger Einwohner von Basel, nicht mehr nur als Pendler. Er hat eine kleine Wohnung in Kleinbasel, einen Fahrradschlüssel, eine Aufenthaltsbewilligung — und ein mulmiges Gefühl im Magen.

Aktivieren Sie Ihr Vorwissen.

  • Haben Sie schon einmal in einem anderen Land gearbeitet, oder wären Sie offen dafür? Was wäre Ihr Wunschland, und warum gerade dieses?
  • Welche drei Dinge würden Sie an einem neuen Wohnort zuerst brauchen — noch vor dem ersten Arbeitstag?
  • Kennen Sie das Gefühl, in einem Land zu leben, dessen Sprache nicht Ihre erste ist? Was hilft, was ist schwierig?

Tipp für den Unterricht: Diskutieren Sie diese Fragen zu zweit, je drei Minuten. Sammeln Sie an der Tafel: „Was hilft beim Neuanfang?“

Input Link zu Überschrift

Milos hat sich entschlossen, seine Erfahrungen in einem Online-Forum für DaF-Lernende zu teilen. Der folgende Text stammt aus einem Beitrag, den er dort geschrieben hat.

Lesetext 1 — Forumsbeitrag: „Pendelnde Jahre — und was ich gelernt habe“ Link zu Überschrift

Seit sechs Jahren fahre ich montags um vier Uhr siebenundzwanzig mit dem Bus nach Basel. Ich sitze immer rechts hinten, weil da der Platz für die Beine am größten ist, und ich bin ein langer Mensch. Am Anfang habe ich geglaubt, das Pendeln ist eine Übergangslösung. Zwei Jahre, dachte ich, dann ziehen wir alle um. Aber meine Frau hatte ihre Doktorarbeit gerade angefangen, und dann wollten die Schwiegereltern nicht allein sein — und plötzlich waren sechs Jahre vorbei.

Was habe ich in diesen sechs Jahren gelernt? Drei Dinge.

Erstens: Die Sprache vor Ort macht einen echten Unterschied. Baseldeutsch kann ich nicht sprechen, aber inzwischen verstehe ich viel mehr als früher. Meine Kolleg:innen sprechen Hochdeutsch mit mir, doch in der Kantine, im Tram und beim Bäcker um die Ecke gilt Mundart. Wer nicht wenigstens passiv mit dem Dialekt klarkommt, bleibt Gast.

Zweitens: Fachwissen ist universeller als Sprache. Wenn ich eine Maschine teste oder mit dem Konstruktionsprogramm arbeite, verstehen mich die Kolleg:innen sofort. Aber wenn ich beim Small Talk über das Wetter oder den Fussball unsicher bin, wirke ich plötzlich wieder wie ein Anfänger.

Drittens: Man muss beide Länder festhalten. Ich lebe nicht mehr ganz in Bosnien und noch nicht ganz in der Schweiz. Das war lange schwierig, inzwischen finde ich es sogar bereichernd: Ich sehe beides von außen. Und ich weiß jetzt, wie sich ein Amtsbesuch anfühlt, wenn man aus Tuzla kommt und nur langsam versteht, was am Schalter gesagt wird. So etwas lernt man in keinem Kurs.

Ab heute bin ich kein Pendler mehr. Meine Wohnung liegt in Kleinbasel, mein Fahrradschlüssel klirrt in der Jackentasche, und meine Frau kommt in einem Jahr. Wenn jemand von euch auch gerade zwischen zwei Ländern schwankt: Haltet durch. Der Tag, an dem man ankommt, kommt.

Lesetext 2 — Dialog: Am ersten Tag im Büro Link zu Überschrift

Sonja (Kollegin): Grüezi, Milos! Also heute ganz ohne Bus, oder? Wie fühlt sich das an?

Milos: Ehrlich? Ein bisschen komisch. Sechs Jahre lang war ich am Freitag immer weg. Heute bleibe ich einfach.

Sonja: Das verstehe ich gut. Wo wohnst du jetzt?

Milos: In Kleinbasel, gleich hinter der Brücke. Ich kann zu Fuss zur Arbeit — na ja, mit dem Fahrrad.

Sonja: Perfekt. Und am Wochenende zeige ich dir mal den Rhein. Im Sommer schwimmen hier alle im Fluss, das musst du ausprobieren.

Milos: Im Fluss schwimmen? Mitten in der Stadt?

Sonja: Genau. Das gehört einfach zu Basel. Und wenn du im Winter noch da bist: Warte, bis die Fasnacht kommt. Dann siehst du die Stadt zum ersten Mal richtig.

Wörterliste zum Input Link zu Überschrift

Wort / AusdruckErklärung / Beispiel
pendelnregelmäßig zwischen zwei Orten hin- und herfahren
die Übergangslösungeine vorläufige Lösung, bis es eine bessere gibt
passiv (mit etw.) klarkommenetwas verstehen, ohne es selbst sprechen zu müssen
die Mundart / der Dialektregionale Sprachform, hier: Baseldeutsch
der Small Talklockeres Alltagsgespräch
die AufenthaltsbewilligungDokument, das erlaubt, in einem Land zu wohnen
ankommen (irgendwo)sich an einem neuen Ort zu Hause fühlen
bereicherndso, dass es das Leben reicher / besser macht
der Amtsbesuchein Termin bei einer Behörde

Grammatik im Blick — Über Vergangenes sprechen Link zu Überschrift

Perfekt (gesprochene Erzählung) — haben / sein + Partizip II:

  • Ich habe sechs Jahre lang gependelt.
  • Meine Frau hat ihre Doktorarbeit angefangen.
  • Wir sind noch nicht ganz angekommen.

seit + Dativ für etwas, das früher begann und noch dauert (Verb im Präsens!):

  • Seit sechs Jahren fahre ich nach Basel.
  • Seit letztem Monat wohne ich in Kleinbasel.

Merke: seit + Zeitpunkt/Zeitraum → Dativ und Präsens. Nicht: „seit sechs Jahren bin ich gefahren“.

Landeskunde — Basel in Kürze Link zu Überschrift

Der folgende Sachtext fasst Informationen aus frei lizenzierten Quellen sinngemäß zusammen (siehe Quellen). Der Text ist original formuliert.

Basel liegt im Nordwesten der Schweiz am Rhein. Der Fluss teilt die Stadt in zwei Teile: Grossbasel und Kleinbasel. Ganz in der Nähe treffen am Dreiländereck drei Länder zusammen — die Schweiz, Frankreich und Deutschland. Nachbarorte sind zum Beispiel Weil am Rhein in Deutschland sowie Saint-Louis und Huningue in Frankreich. Nach Zürich und Genf ist Basel die drittgrösste Stadt des Landes; Ende 2024 lebten dort rund 177.500 Menschen. Weil so viele Menschen aus verschiedenen Ländern hier wohnen und arbeiten, hört man im Alltag nicht nur Baseldeutsch (Baseldytsch) und Hochdeutsch, sondern — wegen der Nähe zu Frankreich — auch oft Französisch.

Basel hat eine lange Geschichte: Die Universität Basel wurde 1460 gegründet und ist die älteste der Schweiz; seit 1501 gehört die Stadt zur Schweizerischen Eidgenossenschaft. Man nennt Basel oft die „Stadt der Museen“, denn es gibt hier etwa 40 Museen. Das Kunstmuseum Basel gilt als eine der ältesten öffentlich zugänglichen Kunstsammlungen der Welt. Im Sommer wird der Rhein zum Freibad: Viele Baslerinnen und Basler lassen sich im Fluss treiben — das nennt man Rheinschwimmen.

Am bekanntesten aber ist die Basler Fasnacht. Sie beginnt am Montag nach Aschermittwoch um genau vier Uhr morgens mit dem „Morgestraich“ und dauert exakt 72 Stunden, bis Donnerstag um vier Uhr früh. Beim Morgestraich werden die Strassenlaternen ausgeschaltet; man sieht nur noch die grossen bemalten Laternen. Die Teilnehmenden tragen Masken, die man „Larven“ nennt. Die Basler nennen ihre Fasnacht liebevoll „die drei scheenschte Dääg“ — die drei schönsten Tage. Seit 2017 gehört sie zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Üben Link zu Überschrift

Aufgabe 1 — Richtig oder falsch? (Lesetext 1) Lesen Sie den Forumsbeitrag noch einmal und entscheiden Sie.

  1. Milos fährt seit mehr als fünf Jahren nach Basel.
  2. Er hat ursprünglich geplant, sechs Jahre zu pendeln.
  3. Seine Frau arbeitet in Basel.
  4. Milos findet: Fachwissen hilft bei der Verständigung mehr als perfekte Sprache.
  5. Baseldeutsch spricht Milos fliessend.
  6. Milos bewertet die sechs Pendeljahre heute positiv.

Aufgabe 2 — Wortschatz in Kontext. Setzen Sie ein passendes Wort aus der Wörterliste ein.

  1. Sein Zimmer in Basel war am Anfang nur eine …, später wurde es sein Zuhause.
  2. Im Pausenraum ist der … oft auf Mundart — da muss man mitraten können.
  3. Für die Arbeitserlaubnis braucht man eine …
  4. Ich verstehe das Gespräch, aber ich kann noch nicht aktiv mitreden — mit dem Dialekt komme ich nur … klar.
  5. Nach zwei Jahren fühlte er sich endlich in der Stadt … .

Aufgabe 3 — Grammatik: Perfekt oder „seit + Dativ“? Bilden Sie ganze Sätze in der richtigen Form.

  1. (ich / seit / drei Jahre / in Basel / wohnen)
  2. (meine Frau / letztes Jahr / eine neue Stelle / finden — Perfekt)
  3. (wir / seit / letzter Monat / eine Wohnung in Kleinbasel / haben)
  4. (Milos / gestern / zum ersten Mal / im Rhein / schwimmen — Perfekt, mit sein)

Aufgabe 4 — Landeskunde-Quiz (Sachtext). Beantworten Sie kurz mit einem Wort oder einem kurzen Satz.

  1. Wie heißen die beiden Stadtteile links und rechts des Rheins?
  2. Welche drei Länder treffen sich am Dreiländereck?
  3. Wie alt ist ungefähr die Universität Basel — und was ist an ihr besonders?
  4. Womit beginnt die Basler Fasnacht, und um wie viel Uhr?
  5. Wie lange dauert die Fasnacht genau?

Differenzierung. Leichter: Aufgabe 1 und 2 zu zweit, mit offener Wörterliste. Anspruchsvoller: Schreiben Sie zu Aufgabe 2 zu jedem Wort einen eigenen Beispielsatz; beantworten Sie Aufgabe 4 in vollständigen Sätzen mit Konnektoren („weil“, „denn“, „deshalb“).

Lösungen

Aufgabe 1 — Richtig/Falsch.

  1. Richtig. „Seit sechs Jahren.“
  2. Falsch. Er hatte zwei Jahre eingeplant.
  3. Falsch. Sie schreibt ihre Dissertation in Tuzla.
  4. Richtig. „Fachwissen ist universeller als Sprache.“
  5. Falsch. Er versteht viel, spricht es aber nicht.
  6. Richtig. „bereichernd“, „ich sehe beides von außen“.

Aufgabe 2 — Wortschatz.

  1. Übergangslösung · 2. Small Talk · 3. Aufenthaltsbewilligung ·
  2. passiv · 5. angekommen

Aufgabe 3 — Grammatik. (Musterlösungen)

  1. Seit drei Jahren wohne ich in Basel.
  2. Meine Frau hat letztes Jahr eine neue Stelle gefunden.
  3. Seit letztem Monat haben wir eine Wohnung in Kleinbasel.
  4. Milos ist gestern zum ersten Mal im Rhein geschwommen.

Aufgabe 4 — Landeskunde.

  1. Grossbasel und Kleinbasel.
  2. die Schweiz, Frankreich und Deutschland.
  3. Sie wurde 1460 gegründet und ist die älteste Universität der Schweiz.
  4. mit dem „Morgestraich“, um vier Uhr morgens.
  5. genau 72 Stunden.

Anwenden Link zu Überschrift

Sprechimpuls — Ihre eigene Berufsgeschichte.

Bereiten Sie in fünf Minuten eine kurze mündliche Vorstellung vor:

  • Wer sind Sie beruflich? (aktuelle Tätigkeit oder Studium / letzte Tätigkeit)
  • Wo haben Sie bisher gearbeitet? (1–3 Stationen)
  • Was mögen Sie an Ihrer Arbeit — und was ist schwierig?
  • Wo sehen Sie sich in drei Jahren?

Arbeitsform: Erzählen Sie Ihrer Nachbarin / Ihrem Nachbarn etwa zwei Minuten lang. Danach bekommen Sie eine Rückfrage, die Sie kurz beantworten.

Redemittel (B1):

  • Ich arbeite seit … als …
  • Davor habe ich … gemacht.
  • Was mir an meiner Arbeit gefällt, ist …
  • Schwierig finde ich vor allem …
  • In drei Jahren möchte ich gern …

Beispielantwort auf Zielniveau (B1):

Ich heiße Sanela und arbeite seit zwei Jahren als Krankenpflegerin in einem Kantonsspital in Bern. Davor habe ich in Sarajevo studiert und ein Jahr in einem kleinen Krankenhaus gearbeitet. Was mir hier gefällt, ist die Teamarbeit. Schwierig finde ich die Schichtarbeit. In drei Jahren möchte ich eine Weiterbildung in Intensivpflege machen.

Bewertungskriterien für den Partnervortrag:

Kriterium✓ erfüllt, wenn …
Inhalt / Aufgabealle vier Punkte kommen vor
Zusammenhangmind. drei Konnektoren (davor, danach, weil, aber)
WortschatzWörter aus der Einheit werden genutzt
Redeflussca. zwei Minuten, ohne langes Stocken
Reaktiondie Rückfrage wird passend beantwortet

Prüfung Link zu Überschrift

Prüfungsbeispiel — GER B1 Sprechen, Teile 2 und 3 Link zu Überschrift

Formal orientiert am offiziellen B1-Sprechen-Modul (Vortrag + Feedback). Keine Reproduktion echter Modellsatz-Aufgaben — Stimulus und Struktur sind original.

Aufgabenstellung (verbatim für Prüfungs-PDF):

Teil 2 — Präsentation. Wählen Sie eines der folgenden Themen und bereiten Sie einen Kurzvortrag (ca. 3 Minuten) vor. Gliedern Sie Ihren Vortrag in fünf Folien:

  1. Einleitung / persönlicher Bezug zum Thema.
  2. Hauptteil: Beispiele und Erfahrungen.
  3. Die Situation in meinem Land / meiner Region.
  4. Vor- und Nachteile aus meiner Sicht.
  5. Abschluss / Ausblick.

Thema A: Arbeiten in einem anderen Land — ist das für junge Erwachsene heute eine gute Idee?

Thema B: Ankommen in einer neuen Stadt — was hilft einem Neuankömmling am meisten?

Teil 3 — Feedback und Rückfrage. Nachdem Ihre Partnerin / Ihr Partner präsentiert hat, geben Sie eine kurze Rückmeldung und stellen eine Frage zum Vortrag.

Bewertungskriterien und Punkte (0–15):

KriteriumPunkte
Erfüllung der Aufgabe (alle fünf Folien)0–3
Kohärenz und Konnektoren0–3
Wortschatz (Spektrum + Beherrschung)0–3
Strukturen (Spektrum + Beherrschung)0–3
Aussprache und Reaktion (Teil 3)0–3

Richtwert: 12–15 Punkte = sicheres B1; 9–11 = B1 erreicht mit Lücken; unter 9 = noch nicht B1.

Erwartungshorizont (Auszug, Thema B)

Ein gutes B1-Niveau würde für Thema B mindestens enthalten:

  • eine persönliche Anbindung („Als ich nach … gezogen bin, …“),
  • zwei konkrete Beispiele (Sprache, Wohnung, Behörden, Freundschaften, Alltag),
  • einen Hinweis auf Unterschiede zwischen Orten oder Ländern,
  • mindestens einen Vorteil und einen Nachteil mit Begründung („weil …“, „das führt dazu, dass …“),
  • einen klaren Abschluss („Am wichtigsten ist meiner Meinung nach …“).

Typische Schwächen auf B1: reine Aufzählung ohne Konnektoren; keine Ich-Perspektive; Verwechslung von seit + Perfekt.

Reflexion Link zu Überschrift

Haken Sie ab, was Sie nach dieser Einheit können:

  • Ich kann einen längeren Forumsbeitrag in seinen Hauptaussagen verstehen.
  • Ich kann Aussagen zum Text richtig oder falsch bewerten und meine Wahl kurz begründen.
  • Ich kann Schlüsselwörter (pendeln, Übergangslösung, passiv, ankommen) in Kontext einsetzen.
  • Ich kann über Vergangenes mit Perfekt und über Andauerndes mit seit + Dativ sprechen.
  • Ich kann eine zweiminütige Vorstellung meines Berufswegs halten, ohne alles vorher aufzuschreiben.
  • Ich kann auf eine Rückfrage spontan reagieren.

Was bleibt offen? Notieren Sie in Ihrem Lernjournal einen Satz: Beim nächsten Mal möchte ich …

Hinweise für Lehrkräfte Link zu Überschrift

Zeitplan (90-Min-Doppelstunde): Titel + Lernziele 3’ · Einstieg (Geschichte + Fragen) 12’ · Input (Lesetext 1 + Dialog + Wörter + Grammatik) 18’ · Landeskunde-Text 8’ · Üben (Aufgaben 1–4) 20’ · Anwenden (Partnervortrag) 15’ · Reflexion 4’ · Prüfungsvorschau 10’.

Gruppierung. Einstiegsfragen zu zweit (schwächere Gruppen zu dritt). Partnervortrag in gemischten Paaren, damit stärkere und schwächere Lernende voneinander profitieren. Landeskunde-Quiz kann als Wettbewerb in Kleingruppen laufen.

Binnendifferenzierung. Schwächere: offene Wörterliste bei Aufgabe 1–2; Redemittel-Karten für den Vortrag. Stärkere: eigener Beispielsatz pro Wortschatzitem; Aufgabe 4 in vollständigen Sätzen; im Vortrag mindestens einen seit-Satz und zwei Perfekt-Sätze verlangen.

Mikro-Check nach dem Input: „Was meint Milos, wenn er sagt, er ‚sehe beides von außen‘? Geben Sie ein Beispiel aus Ihrem Leben.“

Häufige Stolperfallen.

  • „pendeln“ ≠ „reisen“. Pendeln heißt: regelmäßig, ein Arbeitsweg. Wer einmal im Jahr nach Basel fährt, reist.
  • „passiv verstehen“ wird oft mit „passiv lernen“ verwechselt. Gemeint ist: rezeptiv verstehen, aber nicht selbst produzieren.
  • „seit“ + Präsens. B1-Lernende bilden oft falsch „seit … habe ich gewohnt“. Richtig: „seit … wohne ich“.

Quellen Link zu Überschrift

Alle Sachinformationen zu Basel und zur Basler Fasnacht wurden aus den folgenden frei lizenzierten Quellen sinngemäß zusammengefasst (paraphrasiert), nicht wörtlich übernommen. Die erzählenden Texte (Milos, Anisa, Sonja, Forumsbeitrag, Dialog) sind frei erfunden und original von S. Le Boulanger; Ähnlichkeiten mit realen Personen sind nicht beabsichtigt.

Downloads

Hören

Wortschatz, Dialoge und Texte dieser Einheit als Audio, gesprochen von einer muttersprachlichen Stimme. Der gesprochene Text steht jeweils darunter.

Dialog 1
Text anzeigen

Seit sechs Jahren fahre ich montags um vier Uhr
siebenundzwanzig mit dem Bus nach Basel. Ich sitze immer rechts
hinten, weil da der Platz für die Beine am größten ist, und ich
bin ein langer Mensch. Am Anfang habe ich geglaubt, das Pendeln
ist eine Übergangslösung. Zwei Jahre, dachte ich, dann ziehen
wir alle um. Aber meine Frau hatte ihre Doktorarbeit gerade
angefangen, und dann wollten die Schwiegereltern nicht allein
sein — und plötzlich waren sechs Jahre vorbei.
Was habe ich in diesen sechs Jahren gelernt? Drei Dinge.
Erstens: Die Sprache vor Ort macht einen echten Unterschied.
Baseldeutsch kann ich nicht sprechen, aber inzwischen verstehe
ich viel mehr als früher. Meine Kolleg:innen sprechen
Hochdeutsch mit mir, doch in der Kantine, im Tram und beim
Bäcker um die Ecke gilt Mundart. Wer nicht wenigstens passiv
mit dem Dialekt klarkommt, bleibt Gast.
Zweitens: Fachwissen ist universeller als Sprache. Wenn ich
eine Maschine teste oder mit dem Konstruktionsprogramm
arbeite, verstehen mich die Kolleg:innen sofort. Aber wenn ich
beim Small Talk über das Wetter oder den Fussball unsicher
bin, wirke ich plötzlich wieder wie ein Anfänger.
Drittens: Man muss beide Länder festhalten. Ich lebe nicht
mehr ganz in Bosnien und noch nicht ganz in der Schweiz. Das
war lange schwierig, inzwischen finde ich es sogar bereichernd:
Ich sehe beides von außen. Und ich weiß jetzt, wie sich ein
Amtsbesuch anfühlt, wenn man aus Tuzla kommt und nur langsam
versteht, was am Schalter gesagt wird. So etwas lernt man in
keinem Kurs.
Ab heute bin ich kein Pendler mehr. Meine Wohnung liegt in
Kleinbasel, mein Fahrradschlüssel klirrt in der Jackentasche,
und meine Frau kommt in einem Jahr. Wenn jemand von euch auch
gerade zwischen zwei Ländern schwankt: Haltet durch. Der Tag,
an dem man ankommt, kommt.

Dialog 2
Text anzeigen

Sonja (Kollegin): Grüezi, Milos! Also heute ganz ohne
Bus, oder? Wie fühlt sich das an?
Milos: Ehrlich? Ein bisschen komisch. Sechs Jahre lang war
ich am Freitag immer weg. Heute bleibe ich einfach.
Sonja: Das verstehe ich gut. Wo wohnst du jetzt?
Milos: In Kleinbasel, gleich hinter der Brücke. Ich kann zu
Fuss zur Arbeit — na ja, mit dem Fahrrad.
Sonja: Perfekt. Und am Wochenende zeige ich dir mal den
Rhein. Im Sommer schwimmen hier alle im Fluss, das musst du
ausprobieren.
Milos: Im Fluss schwimmen? Mitten in der Stadt?
Sonja: Genau. Das gehört einfach zu Basel. Und wenn du im
Winter noch da bist: Warte, bis die Fasnacht kommt. Dann
siehst du die Stadt zum ersten Mal richtig.

Wortschatz 1
Text anzeigen

pendeln · die Übergangslösung · passiv (mit etw.) klarkommen · die Mundart / der Dialekt · der Small Talk · die Aufenthaltsbewilligung · ankommen (irgendwo) · bereichernd · der Amtsbesuch

Dialog 3
Text anzeigen

Basel liegt im Nordwesten der Schweiz am Rhein. Der Fluss teilt
die Stadt in zwei Teile: Grossbasel und Kleinbasel. Ganz
in der Nähe treffen am Dreiländereck drei Länder zusammen —
die Schweiz, Frankreich und Deutschland. Nachbarorte sind zum
Beispiel Weil am Rhein in Deutschland sowie Saint-Louis und
Huningue in Frankreich. Nach Zürich und Genf ist Basel die
drittgrösste Stadt des Landes; Ende 2024 lebten dort rund
177.500 Menschen. Weil so viele Menschen aus verschiedenen
Ländern hier wohnen und arbeiten, hört man im Alltag nicht nur
Baseldeutsch (Baseldytsch) und Hochdeutsch, sondern —
wegen der Nähe zu Frankreich — auch oft Französisch.
Basel hat eine lange Geschichte: Die Universität Basel wurde
1460 gegründet und ist die älteste der Schweiz; seit 1501 gehört
die Stadt zur Schweizerischen Eidgenossenschaft. Man nennt Basel
oft die „Stadt der Museen, denn es gibt hier etwa 40 Museen.
Das Kunstmuseum Basel gilt als eine der ältesten öffentlich
zugänglichen Kunstsammlungen der Welt. Im Sommer wird der Rhein
zum Freibad: Viele Baslerinnen und Basler lassen sich im Fluss
treiben — das nennt man Rheinschwimmen.
Am bekanntesten aber ist die Basler Fasnacht. Sie beginnt am
Montag nach Aschermittwoch um genau vier Uhr morgens mit dem
„Morgestraich und dauert exakt 72 Stunden, bis Donnerstag um
vier Uhr früh. Beim Morgestraich werden die Strassenlaternen
ausgeschaltet; man sieht nur noch die grossen bemalten Laternen.
Die Teilnehmenden tragen Masken, die man „Larven nennt. Die
Basler nennen ihre Fasnacht liebevoll „die drei scheenschte
Dääg — die drei schönsten Tage. Seit 2017 gehört sie zum
immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Text 1
Text anzeigen

Ich heiße Sanela und arbeite seit zwei Jahren als
Krankenpflegerin in einem Kantonsspital in Bern. Davor habe ich
in Sarajevo studiert und ein Jahr in einem kleinen Krankenhaus
gearbeitet. Was mir hier gefällt, ist die Teamarbeit. Schwierig
finde ich die Schichtarbeit. In drei Jahren möchte ich eine
Weiterbildung in Intensivpflege machen.

Wortschatz 2
Text anzeigen

Inhalt / Aufgabe · Zusammenhang · Wortschatz · Redefluss · Reaktion

Dialog 4
Text anzeigen

Teil 2 — Präsentation. Wählen Sie eines der folgenden Themen
und bereiten Sie einen Kurzvortrag (ca. 3 Minuten) vor. Gliedern
Sie Ihren Vortrag in fünf Folien:
1. Einleitung / persönlicher Bezug zum Thema.
2. Hauptteil: Beispiele und Erfahrungen.
3. Die Situation in meinem Land / meiner Region.
4. Vor- und Nachteile aus meiner Sicht.
5. Abschluss / Ausblick.
Thema A: Arbeiten in einem anderen Land — ist das für junge
Erwachsene heute eine gute Idee?
Thema B: Ankommen in einer neuen Stadt — was hilft einem
Neuankömmling am meisten?
Teil 3 — Feedback und Rückfrage. Nachdem Ihre Partnerin /
Ihr Partner präsentiert hat, geben Sie eine kurze Rückmeldung
und stellen eine Frage zum Vortrag.

Wortschatz 3
Text anzeigen

Erfüllung der Aufgabe (alle fünf Folien) · Kohärenz und Konnektoren · Wortschatz (Spektrum + Beherrschung) · Strukturen (Spektrum + Beherrschung) · Aussprache und Reaktion (Teil 3)